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Katerjammer statt Geburtstags-Laune

Reimers kleine Zahlenkunde

thumb_reimer.jpgUnd dann wurden einfach die Uhren angehalten: In der Nacht vom 10. zum 11. Dezember 1997 wurde weiter verhandelt, so lange, bis die Müdigkeit die Verhandler kompromissbereit gemürbt hatte und die Amerikaner Bill Clinton und Al Gore ihre Ausnahmeregeln allesamt bekommen hatten. Kurz vor Schluss präsentierte der Konferenzleiter einen Kompromiss: Die USA dürfen mehr Gase in die Luft ablassen, die Europäer weniger. Das Kyoto-Protokoll war geboren. Tusch! Und Jubel bei den Delegierten.

Bevor es dann auch zu Leben begann, dauerte es allerdings noch acht Jahre. Damit es Rechtskraft erlangte, musste das UN-Papier erst noch von den nationalen Parlamenten unterzeichnet werden.  Die Mütter und Väter des Protokolls hatten eine Quote eingeführt, ab der das Protokoll "leben" darf: 55 Prozent aller Staaten der Welt, die für mindestens 55 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßen verantwortlich sind, mussten zugestimmt haben. Am 16. Februar 2005 war es endlich soweit: Mit der Unterschrift Russlands trat das Kyoto-Protokoll in Kraft. Und am 1. Januar 2008 dann auch die erste Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll.

Fünf Jahre später allerdings herrscht Katerjammer statt Geburtstags-Laune: Genau am Kyoto-Protokoll ist ein neuer Weltklimavertrag in Kopenhagen gescheitert. Die Kyotowelt - kurz MOP genannt - glaubte, eine neue Verpflichtungsperiode von 2013 bis 2017 oder gar 2020 beschließen zu können und die USA mit ins Boot zu holen. Aber die Amis wollen alles - bloß nichts, das mit Kyoto zu tun hat. 

Denn das Protokoll schlägt vor, jene, die in der ersten Handelsperiode schlecht Treibhausgase eingespart haben, in der zweiten Handelsperiode mit dem 1,2 fachen (oder sogar mit mehr) Reduktionspflichten gegenüber anderen Staaten "zu bestrafen".

Mit ausgehandelt hat das seinerzeit auch die USA, die das Protokoll seinerzeit sogar unterschrieben haben. In nationales Recht - und damit völkerrechtsverbindlich - umgesetzt, haben die USA das Kyoto-Protokoll allerdings nie.

Heute liegt die weltgrößte Volkswirtschaft 17 Prozent über dem Ausstoß aus dem Jahr 1990. Im Kyoto-Protokoll steht, dass die USA bis 2012 insgesamt 7 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990 produzieren muss. Ein Ziel also, dass niemals zu schaffen ist. Deshalb werden die USA niemals das Kyoto-Protokoll unterzeichnen.

Kyoto ist also praktisch schon tot. Denn dass Länder wie China, Indien oder Brasilien den Amerikanern entgegenkommen, scheint alles andere als wahrscheinlich.


Nick Reimer ist Chefredakteur wir-klimaretter.de

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