Katerjammer statt Geburtstags-Laune
Bevor es dann auch zu Leben begann, dauerte es allerdings noch acht Jahre. Damit es Rechtskraft erlangte, musste das UN-Papier erst noch von den nationalen Parlamenten unterzeichnet werden. Die Mütter und Väter des Protokolls hatten eine Quote eingeführt, ab der das Protokoll "leben" darf: 55 Prozent aller Staaten der Welt, die für mindestens 55 Prozent des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßen verantwortlich sind, mussten zugestimmt haben. Am 16. Februar 2005 war es endlich soweit: Mit der Unterschrift Russlands trat das Kyoto-Protokoll in Kraft. Und am 1. Januar 2008 dann auch die erste Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll.
Fünf Jahre später allerdings herrscht Katerjammer statt Geburtstags-Laune: Genau am Kyoto-Protokoll ist ein neuer Weltklimavertrag in Kopenhagen gescheitert. Die Kyotowelt - kurz MOP genannt - glaubte, eine neue Verpflichtungsperiode von 2013 bis 2017 oder gar 2020 beschließen zu können und die USA mit ins Boot zu holen. Aber die Amis wollen alles - bloß nichts, das mit Kyoto zu tun hat.
Denn das Protokoll schlägt vor, jene, die in der ersten Handelsperiode schlecht Treibhausgase eingespart haben, in der zweiten Handelsperiode mit dem 1,2 fachen (oder sogar mit mehr) Reduktionspflichten gegenüber anderen Staaten "zu bestrafen".
Mit ausgehandelt hat das seinerzeit auch die USA, die das Protokoll seinerzeit sogar unterschrieben haben. In nationales Recht - und damit völkerrechtsverbindlich - umgesetzt, haben die USA das Kyoto-Protokoll allerdings nie.
Heute liegt die weltgrößte Volkswirtschaft 17 Prozent über dem Ausstoß aus dem Jahr 1990. Im Kyoto-Protokoll steht, dass die USA bis 2012 insgesamt 7 Prozent weniger Treibhausgase gegenüber 1990 produzieren muss. Ein Ziel also, dass niemals zu schaffen ist. Deshalb werden die USA niemals das Kyoto-Protokoll unterzeichnen.
Kyoto ist also praktisch schon tot. Denn dass Länder wie China, Indien oder Brasilien den Amerikanern entgegenkommen, scheint alles andere als wahrscheinlich.
Nick Reimer ist Chefredakteur wir-klimaretter.de
Die Schlagzeilen um 15 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Fritz Vahrenholt (RWE): Kalter Kaffee zur Sonne
Der kommende Montag wird die Welt erschüttern, zumindest die der Klimaforschung. Das verheißt jedenfalls eine aktuelle Verlagsankündigung: Donnerwetter! Tausende IPCC-Wissenschaftler sind komplette Versager!! Der Klimawandel ist längst gestoppt!!! Die Ozeane und die Sonne waren schuld daran!!!! Puh, da hat die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13



Noch 8 Tage bis Cancún: "Das programmierte Scheitern ist ein Strukturelement derzeitiger Klimadiplomatie", sagt Nick Reimer, Chefredakteur von klimaretter.info in der Debatte 'Wozu brauchen wir noch Klimakonferenzen?'
USA-China-Dialog: US-Außenministerin Hillary Clinton hat das Reich der Mitte aufgefordert, den entscheidenden Weltklimagipfel in Südafrika Ende dieses Jahres nicht scheitern zu lassen. Auch die Vorleistungen der USA sind jedoch ausgesprochen dünn.
Noch 6 Tage bis Cancun: Klimadiplomatie bringt nichts, prophezeit Michael Müller, Staatssekretär a.D. und Mitherausgeber von klimaretter.info in der Debatte 'Wozu noch Klimakonferenzen?' Stattdessen müsse praktizierter Klimaschutz auch ohne internationale Einbindung Klimasünder ins Schwitzen bringen
Läßt sich die erste Periode des Kyoto-Protokolls über das Jahr 2012 hinaus verlängern? Zumindest soll das Klimasekretariat diese Frage jetzt juristisch prüfen lassen
Noch 12 Tage bis zum Weltklimagipfel in Cancún: Warum gibt es eigentlich Klimakonferenzen? Warum war Kopenhagen so wichtig? Und warum eigentlich ist Cancùn die letzte Chance?
Tag vier auf dem Klimagipfel in Mexiko: Prinzipiell sind vier Varianten eines neuen Klimaregimes denkbar: Genaueres zu möglichen rechtlichen Formen eines Abkommens soll nun eine Kontaktgruppe herausfinden.
Noch 9 Tage bis zum Weltklimagipfel: In Cancún tagt auch der CDM-Exekutivrat über Reformen des Mechanismus für saubere Entwicklung. Vor allem der Handel mit Zertifikaten aus Industriegasprojekten kratzt am Image der Klima-Projekte. Von Johanna Treblin



