30 Jahre Anti-Parteien-Partei und einmal zurück
Reimers kleine Zahlenkunde
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13. Januar 1980: In Karlsruhe beschließen 1.004 Delegierte die Gründung der Bundespartei "Die Grünen". Zwei Monate später werden die ersten Delegierten in ein Landesparlament einziehen - in Baden-Württemberg. Und 18 Jahre später haben es die Grünen dann bis ganz nach oben an die Macht geschafft - eine erstaunliche politische Karriere, die im Nachkriegsdeutschland allenfalls durch die der DDR-Bürgerbewegung überboten wird. Und vielleicht deshalb ging die kurze Blüte der DDR-Opposition in den Grünen auf - es heißt ja heute noch "die Bündnisgrünen".
Tusch also, ein Blumenstrauß und "Herzlichen Glückwunsch", ihr Grünen.
Da ist es natürlich Zeit, sich Geschichten aus der alten Zeit zu erzählen. Was war das für ein Bild, als ihr in den Bundestag einzogt, damals 1983, Sonnenblumen in der Hand! Joschka Fischers Turnschuhe und Jeans bei der Vereidigung zum ersten grünen Landesminister, klar, das war dem Establishment zu viel Provokation! Den Farbbeutel, der Fischer später auf dem grünen Parteitag treffen sollte, fand dann vor allem er selbst als Provokation.
Gern erinnern wir an die Ökosteuer, vermutlich das klügste politische Instrument seit der Wiedervereinigung - weil es Arbeit billiger und Energie teurer macht. Gern erinnern wir an den 5 Mark-für-Benzin-Beschluss. Homo-Ehe, Doppelpass, Windenergie, Frauenquote - es gibt jede Menge Gründe Euch zu lieben!
Bonusmeilen, Kosovo-Krieg, Hartz-IV: Leider bemüht ihr euch seit Jahren aber zunehmend, Gründe zu liefern, warum man euch hassen muss. Kann ja sein, dass die Grünen in Hamburg angetreten sind, um das Kraftwerk Moorburg zu verhindern. Die Kraft, von der Macht zu lassen, als sie merken, dass das Kraftwerk nicht mehr zu verhindern ist - diese Kraft haben die Grünen aber verloren. Kann ja sein, dass Parteichef Rezzo Schlauch einst für den Atomausstieg trommelte. Heute aber verdient er sein Geld als Atomenergie-Berater. Kann ja sein, dass Bürgermeister Boris Palmer Tübingen zur vorbildlichen Klimaschutz-Kommune aufbauen will. Dann darf er aber nicht gleichzeitig ein neues Kohlekraftwerk mitfinanzieren!
Vor 30 Jahren gegen die ökologische Zerstörungskraft des Establishments gegründet, seid ihr Grünen heute selbst ein Teil davon. Deshalb mein Geburtstagswunsch an euch: Geht doch noch einmal zurück, sagen wir, auf den Stand in den 90er-Jahren. Damals vertratet ihr die Ansicht, es sei falsch, Abstriche von der eigenen Programmatik zu machen, nur um Teil einer politischen Koalition zu werden.
Green New Deal, Klimaschutz und wenn es eben sein muss, dann zur Not auch mal 'nen WUMs: Im Grunde seid ihr uns sympatisch. Sehr sogar!
Und deshalb sind es eben eure Abstriche, die uns so abstoßen!
Nick Reimer ist Chefredakteur wir-klimaretter.de
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