Hurra, der Strompreis steigt!
Reimers kleine Zahlenkunde
Gut ist die Nachricht erstens weil sie Beleg für die Energiewende ist. Zweitens ist die Nachricht gut für den Klimaschutz.
Aber der Reihe nach: Privatisierte Stromkonzerne geben staatlich aufgebürdete Kosten wann immer sie können an ihre Kunden weiter - egal ob es sich nun um "grüne" Stromkonzerne (Ökostrom: Lichtblick) oder "schwarze" Stromkonzerne (Kohlestrom: Vattenfall) handelt. Preistreiber ist diesmal die Erneuerbare Energien-Umlage: Weil der Ausbau so wunderbar rasant voran schreitet, steigen natürlich auch die Kosten dafür. Anders ausgedrückt: Eine steigende EEG-Umlage ist Beleg für die Rasanz der Energiewende. Jedes neue Windrad, jeder grün investierte Euro jagt den fossilen Konzernen Marktanteile ab.
Zweitens sorgt ein steigender Strompreis endlich dafür, dass sich Effizienztechnologien durchsetzen und Verhaltensweisen ändern werden. Wer seine Strompreis-Rechnung senken muss, der kauft künftig eben lieber einen A++ - Wasserkocher und schaltet den Fernseher auch mal aus. Das ist praktizierter Klimaschutz: Weniger Strom zu verbrauchen einerseits und mehr Grünanteil im Strommix andererseits senkt den Treibhausgas-Ausstoß.
Allerdings gibt es auch bei dieser guten Nachricht ein Haar in der Suppe. Die Regierung Schröder hat nämlich seinerzeit weite Teile der Industrie von der EEG-Umlage befreit. Übersetzt bedeutet das: Der Verbraucher zahlt, der Aktionär kassiert. Oder anders ausgedrückt: Würde der Aktionär seien Teil zur Energiewende tragen, bräuchte der Verbraucher nicht so viel zu zahlen. Rot-grün war seinerzeit vor der Industrielobby eingeknickt, die weiß machen wollte, dass tausende Arbeitsplätze ins Ausland verlagert werden, wenn der Strompreis steigt.
Richtig ist: Steigende Strompreise sorgen für Effizienzsteigerungen und damit zu einem Wettbewerbsvorteil. Deshalb sollte die schwarz-gelbe Regierung die Schlupflöcher der Industrie jetzt stoppen: Erstens würde sie damit die Preissteigerung für die Verbraucher dämpfen. Zahlen alle wird es für den einzelnen billiger.
Zweitens würde sie eine Innovationsoffensive für Energiespartechnik auslösen: Der Stromeffektivste siegt. Und drittens schließlich bekäme die Regierung Geld für einen Stromfonds in der Kasse: Arme sollten daraus einmalig 500,- Euro erhalten, um Stromschlucker aus ihren Haushalten zu verbannen.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins wir-klimaretter.de
Einen Hintergrund zu den steigenden Strompreisen finden Sie hier .
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