Über den schrecklichen Wolken
"Fliegen muss teurer werden". Dieser Satz stammt nicht von Robin Wood. Dieser Satz stammt auch nicht von der Grünen Liga. Dieser Satz stammt von Angela Merkel. Zugegeben: nicht von Kanzlerin Angela Merkel. Aber von Angela Merkel, der Umweltministerin. Im Interview mit der Bild-Postille hatte Umweltministerin Angela Merkel am 9. Februar 1995 erklärt: "Wir machen das Auto zum Umwelt-Buhmann und vergessen die katastrophalen Auswirkungen durch den zunehmenden Luftverkehr".
14 Jahre später ist natürlich längst vergessen, das Fliegen teurer werden müsse. Angela Merkel ist ja auch keine Umweltministerin mehr, sondern Klimakanzlerin. 14 Jahre später ist Fliegen deshalb nicht teurer, sondern noch billiger geworden. Dementsprechend viel wird durch die Welt geflogen.
Mit verheerenden Folgen für das Klima. Der Kohlendioxidausstoß im Verkehrssektor ist nach Erhebungen der Europäischen Umweltagentur seit 1990 um knapp 36 Prozent gestiegen. Schuld an diesem Fiasko ist vor allem der Flugverkehr mit Emissionszuwächsen von 89 Prozent. Eine Grafik verdeutlicht Ihnen das Problem HIER.
Keine Mehrwertsteuer, keine Öko-Steuer, keine Kerosinsteuer, keine Emissionsabgabe – Fliegen wird künstlich verbilligt. Das geht zurück auf das Chicagoer Abkommen aus dem Jahr 1944. Damals glaubte man, dass "die zukünftige Entwicklung der zivilen Luftfahrt in hohem Maße dazu beitragen kann, Freundschaft und Verständnis zwischen den Staaten und Völker der Welt zu wecken". Sicher richtig, doch diese Form der Völkerverständigung heizt das Menschheitsproblem des 21. Jahrhunderts gewaltig an. Denn der Klimawandel werde größere wirtschaftliche Verwerfungen mit sich bringen als die beiden Weltkriege zusammen, warnte Sir Nicholas Stern, der ehemalige Chef-Volkswirt der Weltbank, im November 2006 in seinem aufsehenerregenden Bericht für die britische Regierung.
Die Klimabelastung, die ein Flugzeug pro Passagier verursacht, ist bis zu fünfmal so groß wie die, die ein ICE bewirkt. Und im Vergleich mit den Kundenzahlen der Bahn explodierten die der Luftfahrtbranche geradezu. Seit 1990 nahm die Zahl der Flugbewegungen in Europa jedes Jahr um fünf Prozent zu. Ende der neunziger Jahre trug der weltweite Flugverkehr mit 3,5 Prozent zum menschgemachten Treibhauseffekt bei. Heute sind es wahrscheinlich schon neun Prozent.
Und? Was passiert?
Eben. Möge Gott dafür sorgen, dass die christdemokratische Kanzlerin Angela Merkel nach den nächsten Wahlen wieder Umweltministerin wird!
Nick Reimer ist Chefredakteur wir-klimaretter.de
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