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Die Grünen: Selber Schuld

Reimers kleine Zahlenkunde

thumb_reimer.jpgNach neuesten Erkennissen der Wissenschaft wird das erklärte Ziel der Europäischen Union, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, nicht mehr zu erreichen sein. Selbst ein Sofortstopp aller weltweiten Kohlendioxid-Emissionen kann eine globale Erwärmung um 2,4 Grad bis zum Jahr 2100 nicht mehr verhindern.

Eine dramatische Aussage von renommierten Wissenschaftlern. Denn das 2-Grad-Ziel als Leitplanke der europäischen Politik ist nicht vom Himmel gefallen. Eine zwei Grad gestiegene Global-Temperatur - das besagt der nobelpreisprämierte Weltklimarat - sei gerade noch beherrschbar. Jenseits dieser zwei Grad aber verselbständigt sich die Erderwärmung. Egal welchen Klimaschutz der Mensch dann noch betreibt – die Erderwärmung wird sich jenseits der zwei Grad verselbständigen.

Das liegt zum einen an den Permafrostböden, die weite Teile Sibiriens, Alaskas, Kanadas bedecken. Unter den dauergefrohrenen Erdmassen lagern Millionen von Milliarden Kubikmeter Methan - ein 22 mal so aggressives Klimagift wie Kohlendioxid. Jenseits von 2 Grad tauen diese Böden komplett auf und geben ihre Giftfracht frei. Das liegt zum anderen an den Weltmeeren, die heute gigantische Mengen von Kohlendioxid gespeichert haben. Erwärmen sie sich um mehr als zwei Grad, geben sie den Erderwärmer aber wieder ab.

Die Wissenschaft hat viele solcher "Kippsysteme" aufgezählt. Deshalb hat die EU sich auch das Zwei-Grad-Ziel verordnet. Soweit die Theorie. Hier ist die Praxis: Kann ja sein, dass Bundesumweltminister gestenreich vor den Erkenntnissen der Wissenschaft warnt. In Brüssel, wo derzeit das Klima- und Energiepaket beraten wird, versucht Gabriel beim Emissionshandel Schlupflöcher für die deutsche Industrie rauszuschlagen.

Kann ja sein, dass sich Deutschland gern als Vorreiter beim Klimaschutz versteht. In Brüssel bekämpfen deutsche Politiker jede Klimaschutzauflage für die deutschen Autobauer. Kann ja sein, dass Angela Merkel das Thema "wirklich begriffen hat" - wie immer im Umfeld der Kanzlerin beteuert wird. Die Frage angesichts der dramatischen Warnung aus der Wissenschaft ist dann aber: Wieso handelt die deutsche Politik nicht endlich.

Kann ja sein, dass Hamburgs grüne Umweltsenatorin "Wie eine Löwin" gegen den Bau vom Kohlekraftwerk Moorburg gekämpft hat. Trotzdem bleiben die Grünen nach der Niederlage im Amt. Im Wahlkampf angetreten, um Elbvertiefung und Moorburg zu verhindern, knickten die Grünen bei den Koalitionsverhandlungen zuerst bei der Ausbaggerung der Elbe ein, mit der Begründung, nur durch diesen Kompromiss Moorburg verhindern zu können. Jetzt begnügen sie sich damit, "Auflagen" verhandelt zu haben, und bleiben an der Macht - obwohl die Auflagen noch nicht einmal gerichtsfest sind.

Das ist auch umweltpolitisch selbstmörderisch: Jedes neues Kohlekraftwerk gefährdet den urgrünen Atomkonsens. Denn die EU wird in Kürze einen Emissionshandel beschließen, der ab 2013 die Strombranche zu einer 100-prozentigen Teilnahme verpflichtet. Das bedeutet: Jedes Land erhält eine bestimmte Menge Verschmutzungsaktien, aus der Strom gewonnen werden kann. Jahr für Jahr gibt die EU weniger Aktien aus. Kohlekraftwerke brauchen für die gleiche Menge Strom aber doppelt so viele Verschmutzungsaktien wie moderne Gaskraftwerke. Die grüne Kohle-Politik führt also genau zu dem, was ihre Protagonisten vehement bestreiten: zur Stromlücke. Gestopft werden kann diese dann nur durch eine Verlängerung der AKW-Laufzeiten. Und alle politischen Kräfte werden mit dem Finger auf die Grünen zeigen: Selber schuld!

Dass die Grünen in Hamburg die Macht nicht mehr aus den Händen geben wollen, ist ein neuerlicher Sündenfall. Aber schon die Erfahrung des Kosovokrieges hat ja gezeigt: Die grünen Wähler lassen sich sehr gerne blenden. Es reicht ihnen, wenn ihre Partei die Etiketten "Frieden" und "Klimaschutz" auf der Stirn trägt. Anders als bei der CDU: Unter den Teppich der Grünen guckt kein grüner Wähler.

Nick Reimer ist Chefredakteur wir-klimaretter.de  

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