Genug Eisenbahn für alle
Die Firma Krannich Solar hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Bahnstrecke mit Solaranlagen ausgestattet. Entlang eines Kilometers der Verbindung Rostock - Stralsund wurden 16.000 Solarmodule montiert - mit einer Spitzenleistung von rund vier Megawatt. Rechts des Schienenstrangs glänzen nun 110 Meter breit die Sonnenkraftwerke.
Nun lief die Anlage den ersten Monat lang reibungsfrei - und lieferte so viel Strom, wie eintausend Vier-Personen-Haushalte in diesem Monat verbrauchten. Zugegeben, es ist gerade Sommer. Andererseits: Der Juli 2012 war nun alles andere als ein Sommermonat. Von der vergangenen Juli-Woche einmal abgesehen.
Nahe Neumarkt in der Oberpfalz entsteht derzeit etwas ähnliches an der Bahnstrecke nach Nürnberg. Hier wird allerdings eine etwas andere Architektur gewählt. Die Solarpaneele werden als Schallschutz-Wände angeschraubt. Möglicherweise ist hier der Stromernte-Ertrag etwas geringer.
Dennoch drängt sich ein Gedankenexperiment auf. In Deutschland gibt es knapp 34.000 Kilometer Schienenstrang. Tunnel, Bergschluchten, Brücken, Bahnhöfe, Ortsdurchfahrten einmal abgerechnet - angenommen man würde den Rest mit Solarmodulen bestücken, die kilometerweise 4.000 Menschen mit Strom versorgen. 20.464 Kilometer würden ausreichen, um die 81.859000 Deutschen rechnerisch mit Strom zu versorgen.
In Mecklenburg wurde nun damit schon einmal begonnen. Aber bevor das Gesamtprojekt realisiert wird, hat sich vermutlich längst eine Bürgerinitiative "Solarmodul-freies-Bahnfahren" gegründet. Denn so sind wir Deutschen nunmal: Wir wollen sauberen Strom aus der Steckdose UND einen schönen Blick beim Reisen durch deutsches Land.
Nick Reimer ist Chefredakteur des Online-Magazins klimaretter.info.
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