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Daisy und das Klima


Müllers Büro 

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Das Tief Daisy hat große Teile Europas fest im Griff. Deutschland hat einen Winter wie seit Ende der siebziger Jahre nicht mehr. Widerlegt das nicht die Befürchtungen vom Klimawandel?

Im Gegenteil: Extreme Wetterlagen sind gerade ein Merkmal für Klimaänderungen, denn die Erderwärmung sorgt für mehr Extremereignisse. Starke Temperaturschwankungen nehmen zu. Klima ist eben nicht einfach Wetter, sondern das Resultat der langfristigen Trends, wie die Ergebnisse der Klimaforschung zeigen:

Die Konzentration des wichtigsten Treibhausgases Kohlendioxyd (CO2), gleichsam der Indikator für die Aufheizung der Troposphäre, nimmt derzeit um 2 ppm pro Jahr zu. Dadurch erhöht sich die Energiebilanz, verändert sich die Chemie und Dynamik in der unteren Lufthülle. Sie steigt durch die anthropogenen Eingriffe bereits zehn Mal so schnell wie in den letzten 20.000 Jahren. Und der Prozess beschleunigt sich, denn vor zehn Jahren nahm sie um 1,2 ppm jährlich zu.

Derzeit beträgt die Konzentration von CO2 387 ppm. Ein höherer Wert konnte in den vergangenen 800.000 Jahren nicht festgestellt werden. Bei diesem Anstieg werden in rund 30 Jahren 450 ppm erreicht werden. Eine Erwärmung um zwei Grad Celsius ist dann nicht mehr zu verhindern. Nimmt dieser Trend ungebremst zu, dann beträgt die globale Aufheizung bis zum Ende des Jahrhunderts 4 Grad Celsius. Die Jahre 2001 bis 2008 gehörten zu den zehn wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen vor rund 150 Jahren.Mit jedem Grad Celsius Aufheizung nehmen die tropischen Wirbelstürme um 30 Prozent zu. Auch die arktischen und antarktischen Eisschichten schmelzen rasant. Die durchschnittliche Dicke ging in der Arktis von 3,64 Meter (1980) auf 1,75 Meter (2008) zurück. Im Jahr 2040 kann der Sommer in der Arktis zur Eisfreiheit führen.

Der Meeresspiegel steigt um 3,4 Millimeter jährlich. Im Extremfall kann er um 1,9 Meter höher liegen. Im günstigsten Fall werden es 75 Zentimeter sein, bei einer Erwärmung um 2 Grad Celsius ein Meter. Vor zwei Jahren wurden die höchsten je gemessenen Wassertemperaturen in den Ozeanen registriert. Auch in tiefern Ozeanschichten (unterhalb von 700 Meter) breitet sich die Erwärmung aus. Zugleich sinkt der Wasserstoffgehalt, die Versauerung (pH-Wert) nimmt zu.

Zudem gibt es schwer vorhersehbare Kipppunkte, deren Folgewirkungen nur begrenzt vorhersehbar sind. Dazu zählen die CO2-Aufnahmefähigkeit der Wälder, die Versteppung der Böden, das Auftauen des Permafrosts und der unter dem Meeresboden gebundenen Methanhydraten.

Niemand kann sagen, er wisse nicht Bescheid. Dennoch liegt nach Kopenhagen die größte Gefahr darin, dass es zunehmende Stimmen gibt, den Klimaschutz auf die lange Bahn zu schieben. Angesichts des Versagens von China, Indien, USA und anderer großer Länder, die sich verbindlichen Reduktionszielen verweigern, malen sie Wettbewerbsnachteile durch mehr Klimaschutz in Deutschland an die Wand. Dazu ist jedes Argument Recht, auch fälschlicherweise der kalte Winter. 

Michel Müller (61), Buchautor, SPD-Umweltpolitiker, war unter Sigmar Gabriel Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium

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