Afrika auch beim Klimawandel der verlorene Kontinent
Müllers Büro
Hauptbetroffene des noch immer unzureichenden Handelns sind vor allem die afrikanischen Länder. Das Armenhaus der Welt bündelt wie in einem Brennglas die Folgen des Klimawandels, ohne dass Afrika der Hauptverursacher ist. Der vergessene Kontinent ist der Verlierer des 20. Jahrhunderts.
Ende der sechziger Jahre waren es dort rund 60 Millionen Menschen, die an Hunger und Unterernährung gelitten haben. Heute sind es bereits 230 Millionen Afrikaner. Nicht zuletzt durch die hohe Sterblichkeit ist auch die Geburtenrate sehr hoch. Das Durchschnittsalter auf dem schwarzen Kontinent liegt bei 26 Jahren.
Nach den Studien der Klimaforscher der UNEP/WMO ist der Temperaturanstieg in Afrika besonders ausgeprägt. Ein durchschnittlicher Anstieg um zwei Grad Celsius gegenüber 1990 ist in weiten Bereichen Afrikas noch in diesem Jahrhundert zu erwarten. Und er ist gleichbedeutend mit einer befürchteten Halbierung der Ernteerträge. Afrika droht eine unvorstellbare Katastrophe und der Welt eine gewaltige Flüchtlingswelle.
Schon heute sind 43 Prozent der afrikanischen Kontinents Wüste, vor allem im nördlichen Teil. Die Wüstenbildung nimmt rasant weiter zu, die grüne Welle, also die Ausbreitung des Regens vom Äquator zieht sich seit den sechziger Jahren Jahr für Jahr stärker nach Süden zurück. Zugleich wird in Zentralafrika der Urwald im großen Umfang abgeholzt. Die Naturschätze und die Rohstoffe vieler Länder sind Objekt der Begierde großer Staaten, insbesondere Edelmetalle und mineralische Ressourcen. Afrika ist von einem neuen, von einem ökologischen Kolonialismus bedroht.
Deshalb ist es gut, dass die G 8 seit Heiligendamm 2007 den Blick stärker auf Afrika wirft. Doch bisher geschieht zu wenig. Im italienischen Aquilla wurden die Zusagen erneuert. Doch zahlreiche Gespräche mit afrikanischen Wissenschaftlern, UNEP-Mitarbeitern und Politiker belegen, dass bisher noch viel zu wenig geschieht.
Natürlich müssen sich die Afrikaner auch selbst um den Schutz der Natur und um eine selbsttragende wirtschaftliche Entwicklung bemühen. Aber dafür brauchen die Menschen dort auch die Freiheit, einen eigenständigen Weg gehen zu können. Tatsache ist, dass die Afrikaner die Hauptbetroffenen des anthropogenen Klimawandels sind, aber nur wenig dazu beitragen. Afrika ist der Testfall für die globale Verantwortung.
Michel Müller (60), SPD-Umweltpolitiker und Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumweltministerium.
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