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Für jeden, der will: ein Atomkraftwerk im Vorgarten

Miechs Kabinenpredigt

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Zugfahrt. Man kommt in Kontakt.  Ein alter Mann sagt mir: „Wir haben mit dem Feuer gespielt und uns jetzt verbrannt“. Niemand kann sagen, er habe nicht gewusst, wie gefährlich Atomenergie ist. Natürlich haben schon viele versucht, diese Art der Energiegewinnung gut zu reden, genauso viele haben sie von Beginn an verteufelt und gesagt: Es gibt keine „gute“ zivile Art der Nutzung von Atomenergie. Nun ist die Katastrophe da. Genauer: sie ist wieder da. Es ist ja nicht das erste Mal, dass ein „größter anzunehmender Unfall“ - der GAU - passiert. Meist haben Umweltschutzgruppen oder findige Journalisten den zu vertuschenden Zwischenfall irgendwann dann ja doch noch entdeckt.

Jetzt bebattiert Deutschland wieder über die Nutzung der Atomenergie. Gut so. Und so traurig der Anlass ist: Wer jetzt meint, dass ja nur japanische Anlagen unsicher sind und so eine Naturkatastrophe nicht wieder stattfindet, der soll sich doch ein Atomkraftwerk in seinem Garten installieren lassen.

Die bestehenden Atomenergieanlagen müssen Stück für Stück vom Netz, damit diese Art von Energiegewinnung endlich der Vergangenheit angehört. Natürlich brauchen wir weiterhin Energie. Aber es muss die grundsätzliche Entscheidung „weg von den atomaren und fossilen Energien“ getroffen werden, damit eben auch verschiedene Alternativen endlich greifen und reifen können. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Jetzt ist der „kairos“, wie die alten Griechen sagten.

Gut reden oder auf die doch ferne Katastrophe verweisen nützt gar nichts. Die Technologie grundsätzlich muss eingestellt werden und die Alternativen müssen gewollt werden. Auf einem der Willkommenssterne in unserem Kloster steht ein Satz von Berthold Brecht: „Wer einmal A sagt, der muss nicht unbedingt B sagen, wenn er erkannt hat, dass A falsch war.“

Die Bundeskanzlerin hat wieder eine Chance verpasst, in dem sie nur ein vierteljährliches Moratorium eingeräumt hat, statt zum Rot-Grünen Ausstieg aus der Atomkraft zurückzukehren. Ihr folgen jetzt nur die Leute, die alles beim Alten lassen wollen. Sie wird sogar das eine oder das andere Atomkraftwerk ganz vom Netz nehmen, um den wachsenden Unmut der Bevölkerung und der Angst vor den Wahlergebnissen diverser Landtagswahlen zu entsprechen. Aber langfristig tut sie sich und dem Land keinen guten Dienst. Denn die Zeichen stehen auf Wechsel. Die Zeit ist reif.

Da hat der Gorbatschow in den Mund gelegte Spruch noch einmal seinen Sinn: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben.“

Kerstin Höpner-Miech (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg

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