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Gutes tun tut gut.

Miechs Kabinenpredigt

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Die Probleme von heute werden vor allen die ausbaden müssen, die jetzt noch Kinder sind. Manchmal versuche ich herauszufinden, was die Heranwachsenden wohl dazu sagen. Die meisten Jugendlichen, die in unserer Gegend leben, haben dazu keine Meinung. Sie feiern lieber Party statt sich mit den globalen Problemen zu beschäftigen. Sie trinken für ihr Alter viel zu viel und bemühen sich zugleich enorm um ihren Freundeskreis.

Wenn ich ihnen rate, etwas für die Zukunft des Planeten zu tun, dann erkären sie mir: Wir haben das nicht eingebrockt. Deshalb müssen wir das auch nicht auslöffeln. Ich weiß das besser und versuche ihnen einzuschärfen, wie es sie treffen wird. Aber sie argumentieren dann mit "nee, nee, nee: wir haben schon genug Probleme, da wollen wir nicht auch noch eure". Gemeint sind die aus der Erwachsenenwelt.

Manchmal gibt es auch das andere Extrem: Verblüffte mich letztens ein 14-Jähriger, der erklärte, die Probleme heute seien ja schon so groß, dass er sich um 1.000 Jahre zurückversetzt wünsche, um alles noch einmal neu zu beginnen - ohne die gleichen fossilen Fehler wie seine Vorfahren zu machen. Mal abgesehen davon, dass er sich nicht vorstellen kann, wie mühsam das Leben im Mittelalter war: da sprach schon eine tiefe Resignation aus seiner Brust. Nach dem Motto: Eine Lösung der globalen Probleme ist überhaupt nicht mehr zu schaffen.

In der Tat überfordert die Komplexität der Probleme bereits viele Erwachsene. Bitte ich Leute, beim Einkauf auf das Trans-Fair-Siegel zu achten, schimpfen die über die fehlende Lohnerhöhung. Fordert man Gerechtigkeit bei der Entlohnung vom Unternehmer, erklärt der mir die Auswirkungen der Finanzkrise. Und hat man im gierigen Banker dann endlich den Schuldigen gefunden, wird man (hoffentlich) bemerken, wie ungerecht man selbst, wie sehr man selbst in die strukturelle Ungerechtigkeit verwoben ist. Das erinnert an das Bild von der Bettdecke, die zu kurz ist. Ziehe ich an der einen Stelle, kommt an der anderen etwas ebenso kompliziertes zum Vorschein.

Ist es also verwunderlich, wenn die Jugend von den Problemen entweder nichts wissen will, oder sie für unlösbar hält? Wir Älteren wissen, dass beides keine Option ist. Was also tun? Selber machen. Klima retten, wo es geht. Vormachen, dass trotz allem Frust und aller Enttäuschung, die man beim Rettungsversuch kriegen kann, doch auch vieles schön ist. Und wenn auch nur ein paar neue Bäume wachsen, eine Allee gerettet ist, wird neue Hoffnung keimen. Und ein gutes Gefühl. Gutes tun tut gut. Mag sein, dass das zu wenig ist (und das ist es sicher), aber auch das bisschen ist schon wichtig.

Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.




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