Oh wie schön ist "Avatar"
Miechs Kabinenpredigt
Der Kinofilm "Avatar" ist aus verschiedenen Gründen sehenswert. Er hat nicht nur computertechnisch für die Fimkunst eine neue Ära eingeleitet. "Avatar" hat auch eine interessante Botschaft.
Zunächst stellt der Film nüchtern fest: Der Mensch kann sich nehmen, was er will. Er hat technische und intellektuelle Fähigkeiten, die ihm fast keine Grenzen setzen. Notfalls ist der Mensch bereit, Gewalt anzuwenden, wenn es seinen Interessen entspricht. Und es gibt sie, die Menschen, die der Versuchung der Macht, der Zuwendung, der Versprechen erliegen.
Im Falle "Avatar" ist das der Hauptdarsteller – ein Ex-Marine im Rollstuhl – der durch Beziehungen und Einfluss seine Beine wieder bekommen soll, falls er die Mission erfolgreich gestaltet. Er lässt sich auf den Handel ein: Er gibt vor für die Forschung zu arbeiten, spioniert aber für das Militär. Die ihm übertragene Mission: Die Ureinwohner zu vertreiben.
Der Film zeigt ein Geschäftsgebaren, das wir aus dem realen Leben kennen. Im Vordergrund steht die Forschung zum Guten des Menschen - das Kennenlernen einer fremden Kultur und Biologie auf dem Planeten Pandora. Hintenrum geht es den Herrschern um den Militärschlag. Im Vordergrund stehen die freundlichen Worte, dahinter werden knallhart imperiale Interessen geplant. Kommt Ihnen das nicht auch so bekannt vor, wenn Sie an manche Politiker oder Firmen im realen Leben denken? Vorne grün und hinten gemein???
Immerhin – der Film zeigt, dass Entscheidungen rückgängig gemacht werden können. Der Film zeigt, dass es auf den Einzelnen ankommt. Der Film lässt hoffen – und das ist eine der Stärken von "Avatar". Das, was im Märchen siegt, das Gute, die Treue, die Liebe, die persönliche Stärke, das kommt auch hier zum tragen – begleitet von vielen Opfern.
Was den Film "Avatar" zum Lehrstück macht, ist seine Polarisierung. Da gibt es einerseits den Bedarf nach Rohstoffen, die viel, viel Geld bringen. Es gibt auf dieser Seite das Interessen von Aktionären und Firmen am fremden Planeten (die Erde ist schon längst ruiniert im Jahre 2154). Und andererseits ist da ein Naturvolk, das in einem riesigen Baum lebt und seine Welt liebt und sich ihr zutiefst verbunden fühlt.
Hier ist es leicht zu fühlen: die bösen Menschen gegen die guten Wilden, die mit Pfeil und Bogen ihre Heimat verteidigen und – der Göttin sei Dank – gewinnen. Die Problematik aber ist unsere: da gibt es unsere Erde, die wir weiterhin systematisch zerstören und da gibt es Rücksichtslosigkeiten und Gewalt.
Die Botschaft ist deutlich: Wir bekämpfen uns selbst. Wir sind die Verursacher des Übels und die Verteidiger der Schätze der Erde. Wir sind in den Strukturen der reichen Ländern gefangen, die andere in den armen Ländern übernehmen müssen.
Deutlich aber macht der Film auch: Wir stehen vor Entscheidungen. Und entscheiden wird, wie ich rede, wem ich diene und was ich tue, um der Zukunft mehr Gerechtigkeit zu geben.
Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.
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