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Hoffnungen, Visionen, Pläne. Und die Realität

Miechs Kabinenpredigt

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Es gibt Zeiten, da ist man sprachlos. Obwohl man das als Kolumnistin in diesem Online-Magazin nicht sein sollte.

Sie müssen mir zu Gute halten: Vor der Bundestagswahl war ich eine mündige Bürgerin.

Voller Hoffnungen, Visionen, Pläne.

Seit der Wahl bin ich dazu verurteilt, die Pläne der Regierung hinzunehmen. Von der Möglichkeit, endlich die Wende zum Guten zu erreichen, träumt nicht mal mehr der größte Optimist (und ich bin von meiner Grundeinstellung wirklich optimistisch!).

Demokratie ist ein Abwiegen von Interessen. Wessen Interessen? So viele haben über die Politik Angela Merkels schon geschrieben und haben eine doch recht einseitige Interessenlage ihrer Politik festgestellt.

So viele haben versucht, andere dazu zu bewegen, in ihrem Kauf- und Lebensverhalten Rücksicht auf das Klima zu nehmen.

In der Warteschlange im Supermarkt schaue ich in die Einkaufswagen meiner Mitmenschen – und da sind Massen vom billigsten drin, vor allem Fleisch aus der Massentierhaltung und Molkereiprodukte von Firmen, die wenig auf Qualitäten achten, aber genügend Geld für Werbung ausgeben.

Ja, ich weiß, man kann die Verantwortung nicht einfach den Leuten überlassen, die kaufen nun mal billig. Aber die Politik reagiert nicht mit Regelungen. Vielleicht liegt es daran, dass ein – womit auch immer – voller Bauch eben nicht gerne denkt...

Eigentlich ist alles gesagt.

Und immer noch zu wenig getan.

Und dieses Lied singen wir schon lange in unterschiedlichen Tonlagen.

Wir fordern, erbitten, beschwören und vollziehen die Veränderung (zumindest im Rahmen dessen, was wir für möglich und nötig halten). Und doch ist das zur Klimarettung viel zu wenig.

Die Finanzkrise hat zwischenzeitlich durch zusammenbrechende Wirtschaftszweige die Natur tatsächlich entlastet. Aber der grundsätzliche Ansatz der neuen Regierung ist, der Krise das "Wachstum entgegenzusetzen". 

Hilfe! Das ist doch der falsche Weg! Es wird immer noch auf die alten Konzepte gesetzt. Und die Illusion geweckt, es müsste nur alles etwas effizienter, besser, schneller werde, dann rettet sich die Welt schon selbst.

Ich halte das für falsch. Wir brauchen eine wirkliche Umkehr. Denn in dem bisherigen Konzept steckt eine einseitige Sicht auf Deutschland in Europa. Doch da gibt’s noch eine Menge mehr Welt als nur diese.

Im Vorfeld der Klimakonferenz zu Kopenhagen hört man schon: Es wird wohl keine verbindlichen Abkommen geben und die Konferenz droht zu scheitern, weil keiner bereit ist, wirklich klug voranzugehen.

Da soll man noch Lust haben, weiterzumachen?

Vor dem realen Grauen der Veränderungen auf der Erde entfliehen viele ins Kino, dort läuft gerade 2012. Die Faszination des Untergangs in tolle Action und Szenen gesetzt. Das hat was. Und das scheint spannender als das, was der Mensch zwischenzeitlich tun kann, damit die Erde nicht in einer globalen Katastrophe endet.

Kerstin Höpner-Miech (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg

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