Erste Amts-Handlung: Klimawandel verboten
Miechs Kabinenpredigt

Ich muss zugeben: Dieses Ergebniss hatte ich nicht erwartet. Der Gedanke an die Suche nach einem Exil ist zwar am Tag zwei des neuen Deutschlandes ein bisschen kleiner geworden, aber die Befürchtungen um vier Jahre verlorene Zeit für Klimaschutz, soziale Standards und neue Energiepolitik sind groß.
Es ist alles bekannt gewesen. Viele Gruppen und Verbände, die nicht an und mit der Politik Geld verdienen, haben sich vor der Wahl jede Mühe gegeben, deutlich zu machen, dass wir in diesem Lande um einer guten Zukunft willen gewiss eine andere Regierung gebraucht hätten. Sie haben klar gemacht: Alles andere als schwarz-gelb wäre besser gewesen.
Es hat nicht funktioniert.
Viele Menschen in unserem Land haben den „status quo“ gewählt: die Parteien, die den geringsten Veränderungswillen haben und schön so weiter machen wollen, wie bisher. Es ist erstaunlich, dass angesichts der immensen globalen Probleme die Leute meinen, es könne so weiter leben wie bisher.
Sie müssen mit Blindheit geschlagen sein – nach dem Motto: was ich nicht sehe, ist auch nicht da. Einer der Comedians unseres Landes meinte nach dem Wahlausgang, die erste Handlung der neuen Regierung wird das Verbot des Klimawandels sein.
Gerade diese beiden Parteien, CDU und FDP, haben im Wahlkampf schon mit der Floskel „Wachstum“ geworben und viele Leute wollten ihnen gerne glauben. Dieses uneingeschränkte Setzen auf Wachstum brachte uns doch aber erst die Finanz- und Wirtschaftskrise. Wer wird die Last dieser neuen Fehleinschätzung tragen?
Vielleicht werden jene, die eine andere Zukunft Deutschlands ersehnt haben, neue Formen des zivilen Widerstandes entwickeln - gegen eine zu befürchtende Politik der Laufzeitverlängerungen, gegen Rückschritte beim Energiekonzept, gegen massenhaft Gentechnik....
Vielleicht macht ja gerade das Hoffnung.
Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.
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