Nachhilfe für LehrerInnen
Miechs Kabinenpredigt
Was Klimawandel ist und dass er unsere Zukunft entscheidend prägen wird, ist bei vielen Menschen angekommen. Doch scheinbar längst nicht von allen. Gerade LehrerInnen, die Wissen weiterzugeben haben und die kommenden Generationen in einer komplexen Welt handlungsfähig machen sollen, verstehe ich gern als informierte und interessierte Menschen. Der Blick ins Klassenzimmer aber desillussioniert dann schnell.
Da beschäftigte sich jüngst eine Grundschulklasse meines Landkreises mit dem Umweltschutz und dem Klimawandel und die Kinder bekamen die Hausaufgabe aufzuschreiben, was sie denn für die Umwelt und das Klima tun könnten. Die informierten Kinder schrieben fleißig „Bäume und Sträucher pflanzen“, „Nistkästen bauen“, oder „mehr Fahrrad fahren“.
Eltern, froh über eine gelungene Hausaufgabe, Kinder froh über die Verbindung von Schule und Zuhause, nur die Lehrerin sah das anders und meinte, was für ein Blödsinn es sei zu meinen, mit dem Pflanzen von Bäumen könne man die Welt retten. Und die Vögel bauten ihre Nester immer noch alleine. Da waren die Kinder unsicher, unglücklich und schließlich frustriert.
Es gibt sie nach wie vor: die hartnäckigen Leugner. Die, die nicht verstehen wollen. Die, die meinen: Es war schon immer so und es wird immer so bleiben. Und Veränderungen geschehen nun mal, ob mit oder ohne menschliches Zutun. Und am Ende heißt es : „Für uns reicht es noch.“
Solch ein Blick in eine Schule frustriert. Möge es eine Ausnahme sein! Aber beratungsresistente Menschen kann man nicht so einfach zu einem Erkenntnisfortschritt bringen. Draußen ist es schon Sommerwarm und alles grünt so schön trotz Trockenheit - das soll eine Katastrophe sein, die die eigene kleine Welt ins Wanken bringt?
Die Kinder übrigens pflanzen weiter Bäume und Sträucher und haben gerade ein Insektenhotel gebaut. Und wenn die Lehrerin das lächerlich findet? Dann erinnere ich die Kinder an eine alte Geschichte: die von Noah, der von allen ausgelacht wurde, weil er seine Arche baute, als es brütend heiß und trocken war. Er baute trotz des Gelächters und des Hohns. Er wusste, dass es richtig war.
Und darauf kommt es an. Auch heute.
Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.
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