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Zu wenig zu spät

Miechs Kabinenpredigt 
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Jetzt haben die G-20-Staaten also getagt und die Aufgaben sind benannt. Die Politik fängt an zu ahnen, dass dringend zukunftsfähige Schritte gegangen werden müssen. Doch die Wirtschaft ist offenbar noch immer leichter zu bedienen als das Klima -- wann sehen wir den Zusammenhang? Viel ist die Rede vom "Scheideweg" - doch die Praxis geht weiter wie bisher. Um die eingeübten Bahnen zu verlassen, reicht es nicht, nur im Kopf zu verstehen, dass es nicht weitergehen kann wie bisher.

Oft genug sind bereits Konzepte an der Trägheit oder dem Unwillen einiger Mächtiger gescheitert. Es kamen wenig hilfreiche Kompromisse heraus, die ehemalige Klimakanzlerin mutierte inzwischen zur Wirtschaftsförderin. Das Gesetz zur unterirdischen Speicherung von Kohlendioxid ist wieder so ein Black-Box-Versuch, der den Generationen nach uns die Risiken unserer Abfälle aufbürdet. Ob sich das jemals ändern wird?

Schon in der DDR -- aber ich glaube auch in der ehemaligen Bundesrepublik -- hatte die Natur keinen guten Stand. (Im Westen nur mehr Fürsprecher!) Die Natur galt als auszubeutendes Gut, das sich immer wieder selbst regenerierte und unendlich zur Verfügung steht. Dass die Luft immer schlechter wurden und die Flüsse zu Chemiecocktails, hat kaum jemanden interessiert.

Schon mehrere Generationen lang galt der Mensch als Maß aller Dinge. Der Mensch brauchte Land -- dann fielen die Wälder. Der Mensch baute größere Schiffe -- also wurden die Flüsse begradigt und kanalisiert. Der Mensch wollte in andere Kontinente -- die Flugzeuge flogen nicht mehr wöchentlich, sondern täglich. Na klar, was der Mensch wollte, nahm der sich. Und nannte es seine "Freiheit". Die Natur, die Umwelt, unsere Mitwelt nahm beträchtlichen Schaden. Aber wen interessiert es, ob und wie viele Arten mit uns leben wollen? Die Politik fängt nun an zurückzurudern und erlässt alle möglichen Gesetze, damit wenigstens mal nach der Fällung hunderter alter Bäume die Hälfte nachgepflanzt wird, was wiederum Hunderte von Jahren braucht...

Mit scheint das alles zu spät zu kommen, denn was ist der Wert des Lebens um uns herum? Was über Jahrzehnte einfach "benutzt" worden ist, soll jetzt geschützt werden? Weil die Menschen das nicht begreifen wollen, werden also wieder große Flächen Lebensraum von Mensch und Tier und Pflanze den neu geplanten Kohlekraftwerken zum Opfer fallen. Wer will "den Menschen" ihren Zugang zu Energie nehmen wollen? Ach da ist er ja wieder, der Mensch, dessen Rechte alles andere verdrängen.

Ab und an wird mein Glaube an die Fähigkeit des Menschen zum Lernen erschüttert. Ich höre es ja immer wieder: der Regenwald ist ziemlich weit weg, hier gibt's doch noch Bäume. Anders leben? Wozu? Der Mensch hat vergessen, dass alles Leben zusammengehört. Dass alles Leben voneinander abhängt. Und wenn wir weiter nur auf unseren Rechten beharren, dann wird die Natur irgendwann ohne den Menschen auskommen.


Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg. 

 

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