Bäume pflanzen gegen die Krise
Miechs Kabinenpredigt
Bankenkrise. Finanzkrise. Wirtschaftskrise. Stimmungskrise. Wen man auch fragt: Die Stimmung unterm Volk ist schlecht.
Woran aber macht man eigentlich „Stimmung“ fest? Versorgt sind alle, das Volk leidet keinen Hunger. Die meisten haben ein festes Obdach. Fahren ein Fahrzeug. Haben mindestens einen Fernseher.
Wieso ist die Stimmung dennoch so schlecht? Soziologen und Psychologen dürften feststellen, dass die Selbstwahrnehmung oft nicht mit der Außenwahrnehmung übereinstimmt.
Die Außenwahrnehmung ist: Deutschland zählt zu den reichsten Ländern der Erde und ist ein Traumland für Menschen aus fast allen Ländern der Erde. Hier kann man gut leben! Die Selbstwahrnehmung heißt: mir geht es schlecht – und das lässt sich nicht an Äußerem festmachen. Also scheint Innen etwas nicht zu stimmen.
Wenn ich alte Menschen nach den schlechten Zeiten frage, dann heißt es immer: „Ja, wir hatten wenig, hatten Hunger und mussten aus nichts etwas machen.“ Jetzt könnte man meinen: die Stimmung damals war schlecht. Doch nein, sie war es nicht. Aufbruchstimmung herrschte und der äußere Mangel fand sich nicht in der Stimmung der Menschen wider.
Wieso ist das in unserem äußerlich satten Land nun genau andersherum? Gerade deshalb vielleicht?
Oder wegen der eklatanten Widersprüche in unserem Land zwischen ganz reich und relativ wenig habend? Zwischen VIP-Glamour, Fernsehshows und Alltag?
Einer der besten deutschen Komiker unserer Zeit sagt, dass wir Deutschen alle ständig auf der medial angefeuerten Suche nach Glück sind und dennoch - als ob es ein evolutionärer Webfehler ist – ständig unzufrieden sind. Wie eine Volkskrankheit.
Der Apostel Paulus weiß, dass man Menschen wertschätzt: Indem man ihnen eine Aufgabe, ein Amt gibt. Dann fühlen sie sich besser. Natürlich: Auch auf dem Arbeitsmarkt ist die Stimmung schlecht. Aber dem Apostel ging es nicht um Broterwerb. Ihm ging es um die Zukunft. Eine wichtige Aufgabe heute ist, einen Baum zu pflanzen. Der schützt den Wasserhaushalt, schützt das Klima kommender Generationen und spendet schon in 30 Jahren ordentlich Schatten.
Das könnte jetzt zum Frühlingsanfang die Stimmung verbessern helfen: „Pflanzt einen Baum!“
Schafft Lebensräume, pflegt euren Garten nachhaltig. Sät und erntet und wer keinen Garten hat, der schaue, ob nicht die Straße eine Rose oder das Haus einen Efeu brauchen könnte. Etwas wachsen und gedeihen zu sehen, tut der Seele gut. Und dem Klima sowieso.
Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.
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