Wagen beginnt nicht im Kopf, sondern im Bauch
Miechs Kabinenpredigt
Am Aschermittwoch ist alles vorbei: das Versteckspiel unter den Masken, die Narretei, die nichts und niemanden ernst nimmt; die Völlerei der (nach)weihnachtlichen kalten Wochen. Nach Aschermittwoch muss sich etwas ändern. Das ist die Chance dieser 7 Wochen vor Ostern. Anders leben. Neu orientieren. Etwas wagen. Für eine bestimmte Zeit ein neues Leben testen. Und dabei wissen: andere machen mit und tun das auch.
Viele tun das tatsächlich. Zunächst sucht sich jeder, was ihm machbar oder möglich erscheint: Viele lassen einfach sämtliche Süßigkeiten weg, was der Intention der Passionszeit des Kirchenjahres entspricht, denn die Kirchen denken in diesen Wochen an das Leiden und Sterben Jesu. Dazu kommt der Verzicht auf Alkohol, was dem Körper und der Seele mal gut tut! Andere verzichten auf Fleisch oder schränken den Fleischkonsum erheblich ein („Sonntagsbraten“!), was dem Klima und der Gesundheit gut tut.
In einem Land, wo die Interessen der Wirtschaft Priorität haben, ist das Ansinnen der „7 Wochen ohne“ natürlich nicht sehr produktiv. Grundsätzlich aber ist eine Zeit lang verzichten können absolut notwenig.
Wer kann das noch? Denken und sagen: ich muss das nicht haben; ich muss da nicht hinfliegen, ich brauche das nicht. Viele denken und leben eher nach dem Prinzip: das gibt es und das will ich (darum) haben. Sonst wäre unsere Wirtschaft vielleicht vor Jahren zusammengebrochen – und es gäbe andere Prioritäten im Lande.
Bezogen auf unsere eigene Wirtschaft sagt man sich vielleicht: na ja, sieben Wochen ist überschaubar, dann ist der Konsummensch wieder dran. Im globalen Blick, so glaube ich, ist der siebenwöchige Verzicht nur der Anfang einer generellen Neuorientierung. Natürlich bleiben dann Fragen, die auch ich nicht beantworten kann: Was wird mit der (Land-)Wirtschaft, wenn wirklich viele Leute anderes kaufen, anders leben? Gelingt es, dass Firmen und Strukturen sich den Bedürfnissen der Menschen entsprechend verändern – oder ruft eine andere Struktur andere Bedürfnisse hervor?
Welche Strukturen würden einer ganz neuen Lebensart entsprechen? Diese Form des Kapitalismus schafft das sicher nicht. „Etwas Neues wagen“ fängt immer in einem Menschen selbst an. Etwas wagen beginnt vielleicht nicht im Kopf, sondern im Bauch. Und wer etwas neues herbeisehnt, schafft die ersten Voraussetzungen für das erwartete Neue. Wir haben in den Kirchen einen alten Spruch, den ich sehr schön finde: „Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Erde verändern.“ Nur Mut zu 7 Wochen ohne ......................!
Kerstin Höpner-Miech, (42) ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg.
Guter Journalismus kostet
Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein
Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.
Spendenkonto
Die Schlagzeilen um 14 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13








