Zu wenig, zu langsam. Warum?
Wenigstens bleibt Barack Obama Präsident – und vielleicht Hoffnungsträger. Im Siegestaumel um seine Wiederwahl ging die Enttäuschung über all die Dinge, die zwar gesagt, aber nicht getan wurden, zunächst unter. Aber jetzt fällt es wieder auf: Es gibt nicht viel Bewegung auf dem Klimaparkett. Alles steht scheinbar unter dem Motto "zu wenig", "zu langsam", ist jedenfalls nicht ausreichend.
Das frustriert viele. Oft. Warum es immer wieder nicht schnell genug vorwärts geht, beschäftigt auch die welterfahrenen Psychotherapeuten Hans-Joachim Maaz und Wolfgang Schmidbauer in ihren neuesten Büchern. Während Maaz etwa unter dem Titel "Die narzisstische Gesellschaft: Ein Psychogramm" in frühkindlichen Mangelerfahrungen die Ursache für späteres Nichtreagieren sieht, meint Wolfgang Schmidbauer, dass wir durch Technik und Expertenfokussierung verlernen, adäquat auf Bedrohungen zu reagieren.
Es lohnt sich, beiden Gedanken nachzugehen. Wenn ich heute an Politikern und ihrem Unvermögen leide, muss ich den eigentlichen Schmerz in mir aus frühen Zeiten nicht spüren. Ich kann also etwas anderes davorsetzen – die unvermögenden Politiker etwa – und muss nicht an das eigene, an mein Problem heran. Andererseits: Wenn ich, statt selbst etwas zu tun, nur auf Experten setze, kann das mein Leben gefährden. Beide Psychotherapeuten haben übrigens frühere Katastrophen ihren Überlegungen zugrunde gelegt. Maaz beschreibt unser heutiges Tun als Stühlerücken auf der "Titanic" und Schmidbauer erzählt von der Katastrophe des Schiffes Medusa, das etwa 100 Jahre vor der Titanic vor der senegalesischen Küste unterging.
Hilft es dem Klima, wenn wir Menschen uns selber besser verstehen? Wissenschaftler und kluge Leute haben versucht, die Menschen mit Analysen und Zahlen zur Umkehr zu bringen, und dennoch erleben wir ein erstaunliches Beharrungsvermögen, was altes Denken und Handeln angeht. Vielleicht geht es andersherum besser: Wenn Menschen den Mut haben, sich selbst genauer wahrzunehmen und aus ihrem Leiden heraus bewusst ihre Zukunft zu gestalten.
Kerstin Höpner-Miech ist evangelische Pfarrerin in Mühlberg an der Elbe in Brandenburg
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