Künstler, die goldene Ärsche küssen

Herzliche Glückwünsche! Wie nicht anders zu erwarten, hat sich auch die etablierte Kunst mittlerweile zum Greenwashing den großen Energiekonzernen angebiedert. Hier zwei Zitate:
"Der 1973 in Holbæk (Dänemark) geborene und in Berlin lebende Künstler Tue Greenfort erhält den GASAG Kunstpreis 2012. Die Auszeichnung wird im kommenden Jahr zum zweiten Mal in Kooperation mit der Berlinischen Galerie vergeben. Die Partner ehren mit dem Preis alle zwei Jahre eine künstlerische Position an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technik. Die Jury begründete die Entscheidung für den Künstler folgendermaßen: 'Tue Greenfort (geb. 1973) gehört zu einer jüngeren Künstlergeneration, die einen neuen ästhetischen Zugang zu ökologischen Themen eröffnet. Er bearbeitet dieses Feld mit subtilen inhaltlichen Anspielungen, formaler Präzision und ironischen Bezügen auf die Kunst der 1960er und 1970er Jahre. Dabei sind seine Werke stets ortsspezifisch angelegt und setzen sich mit historischen Fakten ebenso auseinander wie mit chemisch-physikalischen Prozessen. Wissenschaftliches Verfügungswissen, künstlerische Forschung und ästhetischer Gestaltungswille gehen bei Greenfort insofern eine fruchtbare Synthese ein.'" art-magazin, 25.10.2011
"Die Anteilseigner der seit 1998 vollständig privatisierten GASAG sind die zum E.ON-Konzern gehörende E.ON Ruhrgas, die zum international tätigen Energieversorgungskonzern GDF Suez gehörende Gaz de France sowie die Tochtergesellschaft Vattenfall Europe des schwedischen Staatskonzerns Vattenfall." Wikipedia, 25.10.2011.
Tue Greenfort ist, obwohl er sich in seiner Arbeit mit Umwelt und Ökologie durchaus gesellschaftskritisch auseinandersetzt, auch in der Sammlung der Deutschen Bank mit seinen Arbeiten vertreten.
Greenwashing auf den Preisträger übersetzt: Happy Greenforting, auch weiterhin! So lange es Kunst gibt, gab es Künstler, die sich mit ihrer Arbeit in den Dienst der Mächtigen stellen. Aber sorry: Kunst, die mit den Leitwölfen heult, hat jeglichen Anspruch auf Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit verwirkt - mögen die Preise noch so wohlklingend durch die Medien gereicht werden und die Arbeiten noch so gesellschaftskritisch daherkommen.
Wie immer werden nachfolgende Generationen darüber befinden, welcher Künstler wessen goldenen Arsch geleckt und wem das am Ende genutzt hat. Ich wette, sie werden in Sachen Greenwashing nicht all zu viel Verständnis aufbringen. Noch ist es ja Zeit, den Preis nicht anzunehmen...
Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler
Anmerkung der Redaktion: Der Autor selbst gab den ihm 2003 zuerkannten ATLANTIS-Kulturpreis zurück.
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