Klimawandel im Klimahaus
Hacks Pinselstrich

Eigentlich sollte man meinen, das Bremerhavener Klimahaus ginge mit bestem Beispiel voran und würde nicht nur in seiner Architektur, sondern auch in der Themengestaltung eine Vorreiterrolle übernehmen. Was sich von außen schon als aalglatte Glas- und Stahlhülle mit einer alles anderen als sanften Bauweise dem sich nähernden Besucher entgegenstemmt (auch wenn die Bauherren sich der Anwendung neuester Klima- und Solartechnik rühmen), speist seinen Besucherstrom vor allem aus der angedockten Einkaufsmall.
Hier wurde eine auf kuschelige Lädchen, eins wie's andere gleich gestylt, getrimmte Konsummeile unter ein großes Schlechtwetterdach gepresst, damit möglichst viele Besucher/innen dort witterungs- und klimaunabhängig ihrer Shoppingleidenschaft frönen sollen. Kommt man dann, müde geshoppt, mit Plastiktüten voller klimabelastenden Waren erst mal zurück ins Atrium, kann man sich danach doch nicht noch ein schlechtes Gewissen in der Ausstellung des Klimahauses einfangen! Das wäre für alle anrainenden Läden nicht sehr geschäftsfördernd. Da ist es schon besser, ganz allgemeine Weisheiten über das Leben in verschiedenen Klimazonen zu verbreiten. Auch der Klimawandel kommt mal vor, selbstverständlich, aber spätestes im Museumsshop kann man sich dann wieder mit Plastikspielzeug und anderen Gifts über die Klimakatastrophe hinweg trösten.
Da hatte ich schon fast ein ganz schlechtes Gewissen, mit meinen hunderten von Mini-Flüchtlingszelten draußen vor der Tür den Passanten die Shopping-Stimmung durch Nachdenken zu beeinträchtigen. Nachdenken über diejenigen, die auch im Klimahaus kaum vorkommen, Millionen von Flüchtlingen, schon jetzt heimatlose Opfer des Klimawandels. Müssen denn ausgerechnet am Shopping-Samstag die Zelte den Kunden im Weg stehen?
Ich sage JA! Denn bei aller Hochglanzwissensvermittlung im Edutainmentpalast sind es wieder einmal die Armen und Schwachen, die nur am Rand einmal kurz genannt und dann gleich wieder in die Vergessenheit verbannt werden. Jetzt heißt es handeln! Wenn schon jetzt nur ein paar tausend Flüchtlinge aus Nordafrika eine Bedrohung für ganz Europa darstellen - glaubt man den Berlusconis und Westerwelles dieser Welt - wie werden wir uns verhalten, wenn Millionen Menschen bei uns eine neue Heimat suchen? Werden wir sie an unseren Grenzen als feindliche Eindringlinge am Ende erschießen oder nehmen wir sie freundlich auf? Um nicht weniger geht es in unserem Klimahaus - sind wir eine große WG oder eine verkrachte Hausgemeinschaft, wo sich alle gegenseitig das Leben zur Hölle machen?
Ich freue mich schon auf Lösungsvorschläge zu diesem Thema und wünsche mir mehr Mut, auch diese brennenden Fragen im Bremerhavener Klimahaus und nicht nur im benachbarten Deutschen Auswanderer-Haus ausführlich zu behandeln. Denn Klima und Flucht gehören leider eng zusammen. Bis dahin werde ich weiter mit meinem Klimaflüchtlingslager durch Europa ziehen müssen.
Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler
Zurück zur Kolumnen-Übersicht
Die Schlagzeilen um 07 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Jahrestag
Das Fukushima-Dossier
11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab. [mehr]
Aktion des Monats Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr] | Zu Ihrem Vorteil Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende
Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | Klimaretter-Beichtstuhl Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...] |
Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache
DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13





Die Hilfsorganisation Refugees International warnt vor mangelnder Vorbereitung auf Katastrophen durch den Klimawandel
50 Prozent aller Binnenflüchtlinge dieser Welt leben in Afrika. Zwar lässt sich nicht eindeutig sagen, dass die Erderwärmung Schuld an ihrer Flucht ist. Wissenschafftler kommen aber zu dem Schluss,
Der katholische Theologe und Philosophieprofessor Leonardo Boff ist überzeugt: Nicht Treibhausgas-Zertifikate, sondern ein neues, ethisch begründetes Verständnis für die Natur bietet den Ausweg aus dem Teufelskreis von Wachstumsideologie und Umweltzerstörung.
Der Klimawandel als Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt: Experten warnen, der Welt drohe ein "perfekter Sturm" aus Krieger, Hunger, Durst und Krankheit. Doch noch ist Zeit für präventive Maßnahmen.
Deutschland hievt am Mittwoch das Thema Klimawandel auf die Agenda des UN-Sicherheitsrats. Im Fokus stehen sicherheitsrelevante Aspekte des Meeresspiegelanstiegs und der Nahrungsmittelkrise.
Fast eine halbe Millionen Besucher haben das Klimahaus Bremerhaven seit Sommer 2009 besucht. Dadurch wurde auch die lokale Wirtschaft gestärkt
Günther Grass und Charlotte Roche, Bela B, Roger Willemsen und Co: Prominenz aus Literatur, Fernsehen und Bühne ruft zu Protestaktionen im Wendland auf
"Klimawandel ist keine Bedrohung der Zukunft": UN-Nothilfekoordinator John Holmes rechnet mit Zunahme von Stürmen, Überschwemmungen und Dürren



