Künstler mit weicher Birne
Hacks Pinselstrich

Bisher habe ich dem großen deutschen Malerfürsten Georg Baselitz, dessen Bilder uns stets auf intelligente Art den Kopf verdreht haben, nachgesehen, dass er mit seiner Arbeit nicht die Gesellschaft verändern, sondern nur innerhalb des hermetischen Kunstbetriebs wirken will (Baselitz über Baselitz).
Soweit sein gutes, vom Erfolg bestätigtes Recht.
Wenn ich aber jetzt lesen muss, dass sich dieser erklärtermaßen unpolitische Künstler an die Bewegung ewig gestriger Glühbirnenbewahrer stellt und eine Petition bei der Europäischen Kommission in Brüssel gegen das Verbot des Energiefressers anführt, möchte ich ihm mit allem Respekt zurufen: Werter Kollege, bleib bei deinen Pinseln und beglücke weiter deine Sammler, die Bankiers, Vorstandsetagen großer Energiekonzerne, Verleger und Großindustrielle mit deinen großen Schinken – aber: bitte setz dich nicht an die Spitze einer Bewegung, die aus rein nostalgisch-ästhetischen Gründen ein völlig falsches Signal setzt.
Die Begründung, wir könnten nicht auf die Vielfalt des künstlichen Lichts verzichten, ließe sich genauso als Argument für das Beibehalten großer Straßenkreuzer oder anderer Dreckschleudern anwenden. Wer das ernsthaft im Angesicht einer drohenden gesellschaftlichen Katastrophe, wie sie der Klimawandel in noch unbekanntem Ausmaß darstellt, vertritt, sorry, der hat in meinen Augen eine weiche Birne. Das gilt im übrigen auch für die namhaften Mitläufer wie Baselitz-Galerist Michael Werner, die Ausstellungsmacher Armin Zweite und Wulf Herzogenrath und andere Dauerpartygäste auf den Empfängen der Reichen und Einflussreichen, deren Habgier und Egoismus wir das Klimadilemma am meisten zu verdanken haben.
Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler
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