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Die Schulspeisung von Aaithyamalai

Hacks Pinselstrich

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Dieser Beitrag verdankt sein Entstehen der momentanen Wahrnehmung, dass so ziemlich alle um mich herum den Klimawandel als Schnee von gestern sehen. Und ihn in die Besenkammer ihres Oberstübchens verbannt zu haben scheinen. Besonders die Kulturszene glaubt wohl, ihr Soll mit einem Fachbeitrag in der einschlägigen Literatur erfüllt zu haben, und sich wieder dem ewigen Selbstbespiegelungs-Zirkus widmen zu müssen.

Der Kater von Kopenhagen mag wohl stärker sein als der Mut zur Veränderung. Schadenfrohes Funkeln in den Augen jener, die schon immer wissen wollten, dass der Klimawandel nur eine Modewelle ewig gestriger Ökospinner sei, wenn von Irrtümern oder gar Verfehlungen der obersten Akteure in Sachen Global Change berichtet wird. "Seht ihr, eure ganze Sorge war umsonst, ist doch nicht so schlimm", wollen sie uns auf ihre Seite ziehen, nicht ohne ein hämisches Grinsen, so als ob alles, was sie getan hätten, um den Treibhauseffekt zu beschleunigen, aus lauter Fürsorge geschehen sei. Deutschland beschäftigt sich wieder mit sich selbst, sucht den Superstar und bereitet sich auf die Fußball-WM vor.

In der Aaithyamalai School arbeite ich für eine Woche mit rund 75 Kindern im Grundschulalter an einem Malbuch für Flüchtlingskinder. Ihr Dorf liegt nicht weit von der Ostküste Sri Lankas. Als sie noch im Vorschulalter waren, pflügte ein Tsunami in wenigen Minuten eine Schneise in die Mangroven, tötete tausende Menschen und zwang die Überlebenden, in Flüchtlingslagern bei Null anzufangen. Kaum waren die gröbsten Trümmer beseitigt, zerstörte der Bürgerkrieg, was noch übrig geblieben war, und machte sie mit ihren Eltern erneut zu Lagerinsassen in Flüchtlingscamps.

Seit einem Jahr besiedeln die Fischer und Reisbauern wieder ihre dürftigen Lehmhäuser inmitten der saftig grünen Felder. Doch die Idylle trügt: die letzte Reisernte blieb aufgrund des versalzenen Grundwassers aus. Einzige warme Mahlzeit für die: die Schulspeisung. Ich möchte jeden, der mir Erklärungen aufzwingen will, dass die Klimakatastrophe ausbleiben wird, einmal nach Sri Lanka einladen, nicht um sich eine Ayurveda-Kur in den Luxus-Absteigen für reiche Europäer zu genehmigen, sondern sich mit den Kindern von Aaithyamalai zu unterhalten, welche mal wieder die ersten sind, die alles abkriegen.

Und in deren sonnige und unverzagten Gesichter zu blicken, um zu erleben, für was es sich lohnt,  weiter gegen den Klimawandel zu kämpfen.

Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler

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hack1_neu.jpgAlle reden über den tapferen Mann, der in der Münchner S-Bahn beim Verteidigen eines Angegriffenen sein Leben verlor. Was der feige Übergriff mit der Klimakatastrophe zu tun hat? Ziemlich viel

 Hacks Pinselstrich

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Zu Recht ehrt die Gesellschaft in diesen Tagen einen couragierten Mann, der durch sein uneigennütziges Handeln vier Kinder vor einem Haufen verrohter und brutaler jugendlicher Schläger geschützt und dabei sein Leben verloren hat. Diejenigen, welche in der Situation durch Wegsehen geglänzt haben, legen jetzt peinlich berührt – wenn sie denn überhaupt ein Schamgefühl besitzen – Blumen am Todesort des 50jährigen Dominik Brunner ab.

Dabei hätte ein gemeinsames Eingreifen das brutale Erschlagen ihres Nächsten sicher verhindert. Schon beeilt sich jede/r Politiker/in, hierzu einen Kommentar abzugeben, die Bandbreite reicht von der Forderung nach höheren Strafen bis zu mehr Polizeipräsenz. Die feigen, miesen und abgezockten Brutalos, die Dominik Brunner auf dem Gewissen haben, treffen auf unsere Verachtung, „Betroffenheit, Bestürzung, Fassungslosigkeit, Wut“, um einen der Pfarrer in München-Solln zu zitieren.

Was bleibt, ist das ungute Gefühl, wenn man sich fragt, wie hättest du reagiert? Hättest du eingegriffen, deine Nachbarn angesprochen und was unternommen? Hättest du dich schnell verpisst oder eine blutige Nase riskiert? Oder aus sicherer Entfernung gegafft? Darauf läuft es hinaus. Gut, dass ich nicht mit der S-Bahn fahre und Brennpunkte meide, mag der eine oder die andere denken.

Wie komme ich jetzt darauf, diesen feigen Übergriff mit der Klimakatastrophe in Verbindung zu bringen? Während die Münchner Schläger in uns (zu Recht) Wut und Aufbegehren hervorrufen, regen sich bei uns keine Gefühle, wenn täglich Millionen Menschen durch die Folgen des Klimawandels ein menschenunwürdiges Dasein fristen müssen, wenn ihnen ihre Lebensgrundlagen entzogen werden, nur weil wir nicht bereit sind, einzugreifen und couragiert zu handeln. Wir wissen genau, was passiert, wenn weiter alle nach dem Schwarzen Peter bei den anderen suchen, bevor sie bei sich anfangen, ihre Dreckschleudern abzuschalten. Wenn es nach wie vor geil ist, einen fetten Geländewagen in der Stadt zu fahren und und und. Wer greift ein? Wer macht was? Was mache ich? Schau ich weg, versteck mich hinter der hohen Hecke passender Ausreden?

Wegsehen tötet - nicht hier, sondern „nur“ in Bangladesh, in Afrika, Indien, aber bald auch in der näheren Umgebung. Wenn es uns noch gibt, werden unsere Enkel fragen, wo wart ihr da? Es waren doch genug da, die das hätten verhindern können. Daran denke ich, wenn ich jetzt die Bilder aus Solln sehe.

Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler 

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