Müll in die Antarktis
Hacks Pinselstrich
Nein - heute geht es nicht schon wieder um die Schande von Kopenhagen. Dass immer mehr Menschen die Lebensperspektive für unsere Nachkommen abgeschrieben haben, liegt im Trend. Je mehr Leute sich jetzt auch noch auf unsere Repräsentanten mit ihrer verantwortungslosen Ignoranz berufen können, desto angenehmer lässt es sich als feistes Klimaschwein unter Gleichen leben.
Da wundert es nicht, wenn ein gelernter Werbefachmann mit dem Hang zum Künstler, dessen Namen mir nicht über die Lippen kommen will, lange Jahre gesponsert von der Autoindustrie und bekennender Fan der Kanzlerin, seine Armee von tausend aus Industrieschrott gepressten "Müllmenschen" nun auch in die Antarktis transportieren will. Bekommt er die Zusage der zuständigen Bundesministerin, dann werden bald tausend Tonnen Schrott mit einem eigens dafür gechartertem Eisbrecher in die jetzt schon von Touristen zertrampelten Restreservate der Antarktisgeschippert - unter nicht unerheblichem Treibhausgas-Ausstoß.
In Begleitung des "Künstlers", dessen Namen mir nicht über die Lippen kommen will, wird sich ein aberwitziger PR-Tross befinden. Denn der gelernte Werbefachmann mit dem Hang zum Künstler will ein Zeichen setzen gegen die Zerstörung durch den Menschen. In der Antarktis.
Für mich etwa so aussagestark wie die Idee, ein Fass mit Säure in den Rhein zu kippen, um so auf die Verschmutzung der Umwelt aufmerksam zu machen. Da wäre es meines Erachtens besser, mit dem Eisbrecher erst einmal den Schrott einzusammeln, den die Kanadier, Russen, Amerikaner und die anderen Nationen auf der Suche nach der perfekten Ausbeutung des sechsten Kontinents bis heute dort achtlos im ewigen Eis liegen gelassen haben.
Aber das ist den Sponsoren des "Kunstprojektes" nicht spektakulär genug. Die Deutsche Post AG ließ sich die letzte Aktion des gelernten Werbefachmannes - Müllskulpturen auf der Chinesischen Mauer - nicht nur einen gewaltigen logistischen kosten, sondern auch gewaltigen PR-Aufwand. Daran soll jetzt die Vermüllung der Antarktis anknüpfen. Und ich bin sicher, die großen Konzerne, für die es nur um die Rendite geht, werden uns das als große Kulturleistung verkaufen.
Ja - Kopenhagen ist überall.
Hermann Josef Hack ist Maler und Aktionskünstler
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