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Wenn ein Minister zum Wetterfrosch wird

Weithöners Sonnenstrahl
henner

Ein großer Freund der Förderung von Sonne, Wind und Bioenergie ist Rainer Brüderle (FDP) noch nie gewesen. Da hilft es auch nicht, wenn das Erneuerbare-Energien-Gesetz komplett von den Stromkunden finanziert wird und somit die Staatskasse nicht belastet, tausende Arbeitsplätze schafft und deshalb auch von zahlreichen Ländern der Welt übernommen wurde.

Es ist und bleibt ein Eingriff in den Markt und das freie Spiel der Kräfte und so ein Eingriff kann einem echten FDPler nun einmal nicht schmecken. Nur das Oligopol der vier Stromkonzerne ist seit Jahrzehnten von dieser liberalen Geschmacksregel ausgenommen, dafür ist deren Lobbyarbeit einfach zu lecker.

Doch was soll ein Wirtschaftsminister machen, wenn ihm die Argumente gegen die Erneuerbaren langsam aber sicher ausgehen und er nicht – abwechselnd auf dem Schoß von RWE, Eon und Co. sitzend – schon wieder die ewige Leier von der freien Marktwirtschaft bringen will? Ganz einfach: Der Minister wird zum Wetterfrosch. So geschehen bei einem jüngst erschienenen Interview mit Rainer Brüderle im Hamburger Abendblatt. Sein Argument: Die Sonnenenergie muss dort genutzt werden, wo die Sonne auch wirklich scheint. In Deutschland ist das laut Wetterfrosch Brüderle nicht der Fall, denn wir hätten in etwa so viel Sonnenstunden wie Alaska, so der Minister.

Das leuchtet ein. Wenn in Augsburg die Sonne genauso oft scheint wie in Anchorage, sollte man das Kraftwerk am Himmel wirklich nicht anzapfen. Das lohnt sich irgendwie nicht. Laut Brüderle lohnt es sich nur im "Süden Europas", denn die Region wird verglichen mit unseren Breitengraden mindestens doppelt so oft von der Sonne verwöhnt. Aber warum nicht gleich in die libysche Wüste gehen? Deren Sonnenstunden liegen sogar vier Mal höher. Sollte das libysche Volk seinen Diktator tatsächlich bald in die Wüste schicken, hätte man sogar jemanden, der die Solarmodule regelmäßig vom Sand befreien könnte.

Ihnen leuchtet das alles nun doch nicht mehr ein? Mir auch nicht. Vielleicht liegt es daran, dass Augsburg doch mehr Sonnenstunden hat als Anchorage. Vielleicht liegt es auch daran, dass der Solarstrom von deutschen Dächern lange vor dem aus der Wüste wettbewerbsfähig sein wird. Und ganz bestimmt liegt es an einem Rainer Brüderle, der sich als Minister ungefähr genauso gut eignet wie als Wetterfrosch.

Henner Weithöner ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins Renewable Energy Journal www.rejournal.de.

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