Tagebaue: Ein "interessanter Anblick" für Frau Tack
Weithöners Sonnenstrahl
Anita Tack ist zuständig für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz und eine von nur zwei Ministerinnen in Platzecks Kabinett. Ihre Linkspartei hatte im Wahlkampf vehement ein Ende der Braunkohleverstromung gefordert. Wie bekannt ist daraus nichts geworden. Kaum an der Macht unterstützten die Linken das dreckige und menschenverachtende Geschäft mit der Braunkohle genauso wie ihre Vorgänger-Regierungen.
Doch irgendwie hatte man den Eindruck, den Linken sei diese energiepolitische Rolle rückwärts doch irgendwie peinlich, zumindest wurde sie bislang in der Öffentlichkeit nicht lauthals verteidigt. Ein InfoRadio-Interview mit der gebürtigen Dresdenerin und Mutter von zwei Kindern hat dies nun endgültig richtig gestellt. Angesprochen auf die wüsten Krater- und Mondlandschaften des Braunkohletagebaus sprach Anita Tack von einem "interessanten Anblick".
"Interessanter Anblick"? Ja, sie lesen ganz richtig, für Tack, 1969 in die SED eingetreten und seit 1990 Mitglied der PDS, bietet der Braunkohletagebau einen "interessanten Anblick". Den Preis für diesen "interessanten Anblick" verschweigt ihr Zynismus natürlich: Allein wegen der Lausitzer Tagebaue liegt der Kohlendioxid-Ausstoß pro Kopf in Brandenburg rechnerisch drei Mal höher als im Bundesdurchschnitt und der Stromexport aus schmutziger Kohle ist seit den 90er-Jahren von 40 auf jetzt 60 Prozent gestiegen.
Und die beiden südbrandenburgischen Kraftwerke Jänschwalde und Schwarze Pumpe stoßen laut Greenpeace etwa zehn Prozent der Emissionen aus, die bundesweit bei der Energieproduktion entstehen. Mit dem Tagebau in Brandenburg gehen der Verlust ganzer Landschaften, Eigentumsentwertung und Zwangsumsiedlung und die irreversible Schädigung des Wasserhaushalts großer Landschaftsräume einher. Aber wenigstens liefert er für die zuständige Umweltministerin einen "interessanten Anblick".
Was wäre wohl, wenn die Bagger auch bei der Ministerin vor der Haustür ständen und sie zur Umsiedlung zwingen?. Das wäre mal ein wirklich "interessanter Anblick".
Henner Weithöner ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins Renewable Energy Journal www.rejournal.de
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