China jubelt über Röttgens Pläne
Weithöners Sonnenstrahl
Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist ein heißer Kandidat für die diesjährige Ehrenplakette der chinesischen Handelskammer. Mit seinen Kürzungsplänen für Solarstrom wird der Deutsche die weiter steigende Nachfrage nach Solar-Modulen natürlich nicht bremsen. Er wird aber mit seinen Plänen dafür sorgen, dass die Absatzchancen für chinesische und andere asiatische Billiganbieter in Deutschland kräftig steigen.
Für manche deutsche Solarunternehmen wird Röttgens Rotstift dagegen das Aus bedeuten. Die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Degression sorgte bereits zum Beginn dieses Jahres dafür, dass neun Prozent weniger für jede eingespeiste Kilowattstunde Sonnenstrom gezahlt wird. Röttgen und seine schwarz-gelbe Regierung wollen darauf nun noch einmal 16 Prozentpunkte schlagen. Macht summa sumarum sportliche 25 Prozent weniger im sonnigen Produzenten-Geldbeutel. Das wird sich dann nur noch rechnen, wenn auch die Modulpreise entsprechend in den Keller gehen.
Solaren Schwergewichten wie Solarworld wird dieser Preisdruck erwartungsgemäß weniger weh tun als den vielen mittelständischen Unternehmen. Schließlich lässt die Bonner Solarworld einen Teil ihrer Module inzwischen selbst im Reich der Mitte fertigen. Viele der kleineren Solarfirmen haben jedoch nicht nur ihren Firmensitz in Deutschland, sie produzieren auch hier. Darunter die meisten in Ostdeutschland: etwa 75 Prozent der Solarmodule "Made in Germany" kommen aus den neuen Ländern. Da sie beim Preiskampf nicht mitmachen können, wären viele ostdeutsche Unternehmen von den Kürzungen besonders betroffen. Denn die neuen Fördersätze machen Solaranlagen nur wirtschaftlich, wenn sie für etwa 2.500 Euro pro Kilowatt Spitzenleistung zu haben sind. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal 2009 waren es laut Verbraucherzentrale noch 3.620 Euro.
In dieser Woche einigte sich das Bundeskabinett nun auf die kommenden Tarife. Und die Aktienbörsen kommentierten das sofort: Beim Marktführer für solare Wechselrichter zuckten die Anleger bereits, nur weil Konzernchef Günther Cramer angesichts der drohenden PV-Absenkungen mit einem etwas geringeren Wachstum rechnet: die Ebit-Marge von mehr als 20 Prozent sei nicht mehr zu halten. Er geht jedoch davon aus, die 1-Milliarde-Euro-Marke beim Umsatz knacken zu können. Trotzdem verlor SMA Solar runde sieben Prozent.
Für die Solarunternehmen, die bereits jetzt unter dem Druck aus Fernost leiden, werden noch schwerere Zeiten anbrechen: Die Aktie von Q-Cells kostete vor gut zwei Jahren noch fast 100 Euro, heute gibt es die Papiere für rund zehn Euro das Stück. Noch miserabler sieht es bei Conergy aus: 20 Euro mussten Anleger einst für die Aktie bezahlen, heute bekommt man sie für weniger als einen Euro nachgeschmissen. Die Preise fallen und die Billigkonkurrenz aus China nimmt gnadenlos Marktanteile ab.
Die solaren Kürzungspläne von Union und FDP sollen nun am 3. März im Kabinett verabschiedet und parallel dazu in den Bundestag eingebracht werden. Und wenn dann der Übersetzungsdienst des Deutschen Bundestages alles sofort ins Englische übersetzt, werden bei den Solarunternehmen in Kuala Lumpur, Beijing, und Shanghai die Sektkorken knallen - dem deutschen Umweltminister sei Dank!
Henner Weithöner ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins Renewable Energy Journal www.rejournal.de
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