Warum haben wir nicht gehandelt?
Sicherlich könnte man diese Frage auch Angela Merkel stellen, die in diesen Tagen alle ihre bisherigen Klimaschutzbemühungen über den Haufen wirft. Der Film "The Age of Stupid", der Anfang nächsten Jahres in die Kinos kommt und gestern auf der Klimakonferenz in Poznan Premiere feierte, stellt die Frage allen Klimasündern, die auch elf Jahre nach Verabschiedung des Kyoto-Protokolls die Emission von Treibhausgasen nicht in den Griff bekommen.
Hauptfigur des Films ist Oscar-Preisträger Pete Postlethwaite, der als einzig Überlebender in einer völlig zerstörten Welt des Jahres 2055 die Archive des Jahres 2008 durchblättert. Beim Blick auf abgeholzte Regenwälder, qualmende Schlote und verseuchte Böden stellt er die Frage, deren Antwort offen bleibt: Warum haben wir damals nicht gehandelt?
Produziert wurde der Film von der Londoner Filmemacherin Franny Armstrong, die bereits mit mehreren Dokumentarfilmen Erfolge feierte. Kritiker loben den Film "The Age of Stupid" bereits als besten Film seit Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit". Doch während Gores Klima-Lehrstück mit Zahlen überzeugen will, hofft die 37-jährige auf die Kraft der Bilder. Neben realen Dokumentarszenen hat sie dafür auch Animationen erstellen lassen, die die fortschreitende Klimakatastrophe eindringlich, aber nicht oberflächlich zeigen sollen. "Letztlich ist der Klimawandel zu abstrakt, um ihn in seiner ganzen Dramatik ernst zu nehmen und zu begreifen", sagt Armstrong. "Ich habe versucht, dafür eine eigene Bildsprache zu finden und der weltweiten Umweltzerstörung ein Gesicht zu geben."
Ebenso ungewöhnlich wie der Film ist seine Finanzierung: 228 Freunde, Bekannte und Förderer haben den Film mit Beträgen zwischen 1.000 und 10.000 Euro möglich gemacht, erklärt Armstrong. Insgesamt hat sie vier Jahre an dem Film gearbeitet, der nur mit unzähligen Freiwilligen, die teilweise ohne Gage für sie gearbeitet haben, realisiert werden konnte. "Ich hätte nie gedacht, dass der Film auf die Leinwand kommt", freut sich die Londonerin. "Hoffentlich kann ich irgendwann sagen: Ich hätte nie gedacht, dass wir den Klimawandel aufhalten konnten."
Henner Weithöner ist Herausgeber und Chefredakteur des Online-Magazins Renewable Energy Journal www.rejournal.de
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