Votet jetzt!
Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. DruckenE-Mail

Der Hund, dieser Klimakiller!

Etscheits Alltagsstress

etscheidIst unser Hund ein Klimakiller? Eigentlich traue ich ihm das gar nicht zu. Gerade liegt er in seinem Sessel und schnarcht friedlich. Er ist ein lustiger Gesell, immer fröhlich und unbeschwert, während sich sein Herrchen - also ich - wieder mal trübe Gedanken über den drohenden Weltuntergang macht. Na gut, ein Hund atmet, aber das müssen alle Lebewesen, das kann man niemand ankreiden, auch wenn dabei Kohlendioxid freigesetzt wird.

Ich habe mich in der Tat schon häufiger gefragt, ob die Anschaffung unseres Hundes ein klimaschädlicher Akt war. Allerdings, das muss man klarstellen, ist unser Xaver nur ein kleiner Hund, etwa sieben Kilo schwer und klimamäßig nicht zu vergleichen mit einem großen Hund, etwa einem Schottischen Wolfshund, der einem Kalb schon recht nah kommt. Freunde von uns halten solch ein Riesenvieh in ihrer Etagenwohnung. Der frisst und, pardon, scheißt an einem Tag das, wofür unser Xaver eine Woche braucht.

Aber man kann nicht drumherumreden: Hunde sind Omnivoren, Allesfresser, wie der Mensch. Und Xaver freut sich abends immer ganz närrisch auf sein Hühnchen mit Reis und Karotten. Dafür kaufen wir jedes Wochenende eine Hühnchenbrust oder sogar ein ganzes Huhn, das dann zerlegt wird, wobei ein Teil auch für uns Menschen abfällt. Kein besonders Klima freundliches Biohuhn, weil 25 Euro für solch einen Luxusbraten den Etat sprengen würden. Aber doch ein Bauernhuhn, wie uns der Händler auf dem Münchner Viktualienmarkt versichert. Halbwegs artgerecht in der Region aufgewachsen, wie wir hoffen. Und gentechnikfrei.

Pro Woche eine Hühnerbrust oder ein ganzes Huhn bedeutet, dass Xaxer rechnerisch für den Tod von 48 Hühnern pro Jahr verantwortlich ist. Die Geflügelzucht - 2010 stieg die Jahresproduktion auf 1,4 Millionen Tonnen - ist zwar klimafreundlicher als die Rinderzucht, aber trotzdem keineswegs unbedenklich. Dazu kommen noch die Leckerchen für zwischendurch, die sicher aus schrecklichsten Fleischabfällen der Industrietierhaltung hergestellt werden. Aber wäre es artgerecht, Xaver zum Vegetarier zu erziehen? Immerhin ernährt sich das Tier zu einem nicht unerheblichen Teil von Lebensmittelresten, die einfach so auf der Straße liegen. Wir sind zwar nicht begeistert, wenn sich der Hund auf jede Wursthaut stürzt. Andererseits ist das ja eine ziemlich natürliche Art des Recycling von Lebensmittelabfällen.

Klimamäßig fallen noch die Kotbeutel negativ ins Gewicht, die wir immer zum Aufsammeln seiner Hinterlassenschaften dabei haben. Die sind aus Plastik, also aus Erdöl und setzen bei der Verbrennung im Müllofen Kohlendioxid frei. Wir könnten Xavers Würste natürlich auf der Wiese liegenlassen, aber das würde zu Recht die Anwohner verärgern, die nicht dauernd in einen stinkenden Haufen treten wollen. Vor allem Mütter, die auf der Straße ihre Kinder spielen lassen, sind da sehr empfindlich. Mit Müttern ist nicht zu spaßen. Mit Hundemüttern genauso wenig wie mit Menschenmüttern. Also, an den Tüten führt kein Weg vorbei. Das belastet natürlich Xaxers Klimabilanz.

Auf der anderen Seite hat die Entscheidung für Xaver bei uns zu einer deutlichen Minderung der mobilitätsbedingten Treibhausgasemissionen geführt. Weitere Reisen, vor allem Flugreisen, sind dem Tier eigentlich nicht zuzumuten. Kulturreisen schon gar nicht. Seit wir uns für einen Hund entschieden haben, fahren wir fast nur noch in deutsche Mittelgebirge. Xaver ist es nämlich völlig wurscht, wie spektakulär die Landschaft aussieht. Hauptsache, er ist in der Gesellschaft seiner menschlichen Familie und kann ausgiebig schnuffeln und irgendwelchen unsichtbaren Spuren hinterherjagen.

Ich denke, dass sich die von Xaver induzierten Emissionen in etwa mit unseren Einsparungen die Waage halten. Eigene Kinder wären sicherlich viel schlimmer, klimamäßig. Denn Kinder machen häufig genau das Gegenteil von dem, was ihnen die Eltern vorleben. Es wäre also zu erwarten, dass ökologisch korrekt aufgewachsene Kinder irgendwann mit dem SUV herumfahren, sich nur von Steaks ernähren, und jede Ferien auf die Malediven jetten. Und sich einen Scheiß ums Klima und die Umwelt kümmern. Da ist dann sogar noch ein Extraknochen für Xaver drin.

Der Autor und Journalist aus München engagiert sich seit vielen Jahren im Umwelt- und Klimaschutz.

Zurück zur Kolumnen-Übersicht

Diesen Text mit einem Klick honorieren:    [Erklärung]

Guter Journalismus kostet

Sie können die Texte auf klimaretter.info kostenlos lesen. Erstellt werden sie jedoch von bezahlten Redakteuren. Unterstützen Sie den Klimaretter-Förderverein Klimawissen e. V. einmalig durch eine Spende oder dauerhaft mit einer Fördermitgliedschaft.

Spendenkonto

Empfänger
Klimawissen e. V.
Kontonummer
1136852100
Bankleitzahl (BLZ)
430 609 67
 
GLS Gemeinschaftsbank
IBAN
DE63 4306 0967 1136 8521 00
BIC
GENO DE M 1 GLS
 

Werbung

Werbung

Jahrestag
Das Fukushima-Dossier

11. März 2011: Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, fast 20.000 Menschen sterben. Die Atomanlagen havarieren, ein politischer Tsunami folgt. Kanzlerin Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Welt diskutiert die Atomkraft. Zum Jahrestag präsentiert klimaretter.info jenes Dossier, das damals im Nachrichtendschungel Orientierung gab.  [mehr]


Aktion des Monats

Europa ohne Atomkraft

Das Netzwerk Friends of the Earth hat eine Europäische Bürgerinitiative für den EU-weiten Atomausstieg gestartet. BUND-Hubert Weiger, einer der Initiatoren sagt, mit der Volksinitiative habe man "jetzt endlich eine greifbare Möglichkeit, den Weg in eine sichere und saubere Energiezukunft zu ebnen". Nutzen wir sie! [mehr]

Zu Ihrem Vorteil

Klimaretter abonnieren!

Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann müssen Sie uns helfen! Unabhängiger Journalismus kostet Geld, und wenn RWE, Vattenfall, die CDU oder die Netzbetreiber nicht dafür zahlen, dann doch wohl Sie! Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...]

Klimaretter-Jobbörse
Die Pioniere der Energiewende

Ein Elektroingenieur für den Bereich Netzanschluss gesucht? Einen Sicherheitsexperten für die Windkraft? Eine Klimaberaterin für die Verbraucherzentrale in Mainz? Auf der klimaretter.info Jobbörse werden viele spannende   Jobs zur Energiewende angeboten. [mehr]


Lexikon

Das ABC der Klimaretter

Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr]

Klimaretter-Beichtstuhl

Erleichtern Sie sich!

Na, doch wieder einmal schwach geworden? Doch wieder eine unnötige Strecke mit dem Auto gefahren? Doch wieder ins Flugzeug gestiegen? Fehler zu (be)kennen, ist der erste Schritt zur Besserung: Erzählen Sie einfach sich, was Sie bereuen. Und warum. Sie werden sehen: Das erleichtert! Nutzen Sie einfach unseren "klimaretter.info-Beichtstuhl". [mehr...]

Werbung

Deutsche Stahlwirtschaft: Pure Panikmache

DB mobil, die Kundenzeitschrift der Bahn, ist eine honorige Publikation. Erstens beträgt ihre Auflage mehr als 500.000 Stück, nur wenige Magazine bewegen sich in diesen Größenordnungen. Zweitens ist die Zeitschrift gut gemacht. Im Maiheft geht es beispielsweise um Elektromobilität, die[…] [mehr...]

Klimaretter-Dossiers

Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs

Klimakonferenz-Specials

Durban Dezember 2011 - COP17 in Südafrika
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13


Werbung


Ressorts

Energie


Neue solare Rekorde

In Spitzenzeiten tragen Photovoltaikanlagen mittlerweile mit einer Leistung von 19.000 Megawatt zur Stromversorgung bei [mehr...]
Protest


Anti-Kohle-Camp in Schottland

Britische Klimaschützer mobilisieren gegen den Kohlebergbau in Douglas Valley [mehr...]
Wirtschaft


Nabucco schrumpft

Statt wie ursprünglich geplant 3.300 Kilometer könnte die Erdgasleitung nur 1.300 Kilometer lang werden [mehr...]
Mobilität


Deutscher Flugverkehr drastisch angestiegen

Seit 2000 hat sich die Zahl der Flugpassagiere in Deutschland um knapp 40 Prozent erhöht [mehr...]
Forschung


60 heißeste Jahre des Jahrtausends

Die letzten sechs Dekaden sind in der Region Australasien die wärmsten des vergangenen Jahrtausends gewesen, bilanzieren Wissenschaftler [mehr...]
Umwelt


Total: Gasleck ist jetzt dicht

Schon nach zwölf Stunden meldet der französische Konzern den Erfolg seiner Abdichtungsmaßnahmen in der Nordsee [mehr...]
Ernährung


Klima-Fußabdruck für Rindfleisch

Die genossenschaftlich organisierte Firma Westfleisch: je Kilogramm entstehen 15,3 Kilogramm CO2-Äquivalente [mehr...]

Werbung


Meinungen

Kommentar


Treffer Röttgen - aber nicht versenkt

Er wollte Karriere über den Umweg der Provinz machen - und ist gescheitert. Nun fordert die Opposition seinen Rücktritt. Der aber wird nicht kommen.
Ein Kommentar von Nick Reimer
[mehr...]
Standpunkte


"KWK aus dem Schattendasein holen"

 Der Bundestag beschließt ein neues Kraft-Wärme-Kopplungs-Gesetz: Schon wieder aber wird die dezentrale und hocheffiziente Mini-KWK-Technologie stiefmütterlich behandelt, analysiert Oliver Krischer, Sprecher der Bündnisgrünen für Energie- und Ressourceneffizienz in seinem Standpunkt. [mehr...]
Rezension


Die Radio-Aktivisten

Seit über 30 Jahren gab es in Japan keine solchen Demonstrationen: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima hat auch das politische Bewusstsein der Bevölkerung geändert. Der Dokumentarfilm "Radioactivists" versucht die neue Anti-AKW-Bewegung zu verstehen.
Eine Rezension von Felix Werdermann
[mehr...]
Kolumnen

nick3
930 Euro für Angela Merkel

Mehr Geld für die Kanzlerin ist gut und richtig. Jetzt sollten als nächstes die Bezüge der Abgeordneten angehoben werden! Vielleicht hilft das ja, die Qualität der angebotenen Politik zu verbessern. [mehr...]
Überraschung der Woche


Röttgens Täuschung, Altmaiers Fahrrad und Merkels Verantwortung

Kalenderwoche 20: Fachlicher Kompetenz führt nicht dazu, ein politisches Amt zu begleiten. Aber das ist leider ein allgemeiner Trend, findet Michael Müller, SPD-Politiker und -Vordenker und Mit-Herausgeber von klimaretter.info: In der Politik kommt es heute mehr auf das Management von Macht an als auf eine programmatische Idee. [mehr...]