Schöner scheißen

Das Bad, so heißt es in einer von Geberit herausgegebenen "Sonderveröffentlichung" in einem regelmäßig der Süddeutschen Zeitung beiliegenden Wellness-Magazin, habe "mittlerweile" das Schlafzimmer als privaten Rückzugsort überholt: "Türe schließen, abtauchen (Aber bitte nicht in der Badewanne!). Stress und Hektik unserer Hochleistungsgesellschaft bleiben draußen."
Für das Badezimmer 2.0 haben sich die Produktentwickler einiges ausgedacht: programmierbare Badewannen, "Rain-Forest-Duschen", berührungslose Armaturen und, als Glanzstück, ein Hightech-Klo namens AquaClean. Die PR-Texter sind kaum zu bremsen, wenn sie dieses Premiumprodukt schwäbischer Tüftler anpreisen: "WCs, die mit Wasser reinigen, wie das Geberit AquaClean, verbinden den Wunsch nach komforterhöhenden Innovationen mit dem Bedürfnis an (?) Ursprünglichkeit durch die natürliche Reinigung mit Wasser."
Speicherbare Benutzerprofile - jetzt auch auf dem Klo
Da fragt sich der unbefangene Leser, mit welchem Medium ein Wasserklosett denn sonst reinigen sollte, als mit Wasser. Erst weiter unten beginnt man, den tieferen Sinn der Werbebotschaft zu erahnen. "Je nach Modell", so heißt es da, biete die "Wohlfühltoilette" unterschiedliche "Komfortfunktionen" wie "individuelle Einstellungen der Dusch- und Fönfunktionen, Geruchsabsaugung, speicherbare Benutzerprofile". Allen gemein sei "die angenehme Reinigung mit Wasser. Der warme Wasserstrahl reinigt berührungslos sauber. Smart und ursprünglich".
Es wirkt geradezu rührend, wie die Firma Geberit ihren Kunden ganz einfühlsam nahezulegen versucht, den Hintern nach vollzogener Notdurft nicht mehr mittels schnöden Toilettenpapiers, sondern per Computer gesteuertem Wasserstrahls zu reinigen. Ich zweifele allerdings, ob es der hochinnovativen Popodusche gelingt, die Spuren eines dringenden Bedürfnisses wirklich restlos und porentief zu beseitigen, ohne das ganze Bad unter Wasser zu setzen.
Ich brauche jedenfalls zur gründlichen Intimreinigung immer etliche Blatt Klopapier (natürlich Recyclingqualität mit dem blauen Engel!), die ich zwecks noch effizienterer Reinigungswirkung ein wenig mit Wasser anfeuchte. (Hakle Feucht in der praktischen Wegwerf-Plastikbox kommt mir nicht ins Badezimmer!). Mein Vater hatte sogar eine im Familienjargon "Poposchwamm" getaufte Abwischhilfe. Nicht besonders appetitlich, zugegeben, aber wirkungsvoll, um braune Streifen auf der Unterhose zu vermeiden. Und auch relativ umweltfreundlich.
Aber das Geberit AquaClean 8000plus, von der Jury eines "Plus X Award" zum "besten Produkt des Jahres 2011" gekürt, soll nicht nur sauber machen, sondern auch "verwöhnen". Für eine lustvolle Intimmassage sorgt eine Massagedusche, die laut Werbung auch "Darmträgheit" entgegenwirken soll. Für die weibliche Intimzone gibt es einen besonders "zartperlenden Duschstrahl" und hernach für beide Geschlechter einen Warmluftföhn mit wählbarer Lufttemperatur. Außerdem wartet Geberit mit einer gefederter Brille und Geruchsabsaugung mittels Aktivkohlfilter auf.
... und hilft sogar bei Darmträgheit!
Mikroökonomisch würde es sicher Sinn machen, wenn sich "eine neue Art der Körperpflege, die, laut Geberit, "in anderen Ländern und Kulturen längst Standard ist" auch in Deutschland auf breiter Front durchsetzen sollte. Gesamtwirtschaftlich wäre allerdings ein gegenteiliger Effekt zu befürchten. Endlose Sitzungen auf dem (nicht mehr ganz so) stillen Örtchen dürften eine markant dämpfende Wirkung aufs Wirtschaftswachstum haben, das wir ja alle so heiß ersehnen, um von unseren Trillionen-Schulden runterzukommen. Weit stärker als die bislang übliche Auslage von Asterixheften und Manufactum-Katalogen fürs lustvolle Schmökern beim Sch…
Ach ja, wer es nicht so recht glauben mag: Das Geberit AquaClean 8000plus ist keine posthum veröffentlichte Erfindung von Loriot. Das gibt es wirklich: www.geberit.de
Der Autor und Journalist aus München engagiert sich seit vielen Jahren im Umwelt- und Klimaschutz.
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