Politik gegen die "Politik gegen die Menschen"
Ott Macht Politik
Bis zur Bundestagswahl im September habe ich für klimaretter.de aus der Sicht der Wissenschaft
die Klimapolitik kommentiert. Nun will ich aus der Perspektive des
Politikers kommentieren. Und vor allem attackieren! Denn die Rolle des Wissenschaftlers genügt
mir nicht mehr: nur zu beobachten, zu analysieren und schöne
Empfehlungen zu geben. In den letzten Jahren kam mir zunehmend zu
Bewusstsein, dass ich mich selber einmischen muss in den
Politikbetrieb, um die Klimapolitik voranzubringen – kurz, dass ich
selber Politik machen muss!
Und diese Politik ist natürlich grüne Politik – mit großem und mit kleinem „G“. Als Abgeordneter der GRÜNEN im Bundestag für den Wahlkreis Wuppertal werde ich in Zukunft danach streben, dem Amtseid der Kanzlerin in erweiterter Form genüge zu tun: Schaden vom deutschen Volk und von allen anderen Bewohnern des Planeten Erde abzuwenden.
Denn das ist es doch was Not tut. Wir befinden uns in einer absolut irrealen Situation: Der Wahnsinn einer entfesselten und scheinbar entgrenzten Ökonomie treibt die Plünderung unseres Planeten (Herbert Gruhl) voran und es gibt nur wenige mahnende Stimmen, dass all dies womöglich auf die Zerstörung der Lebensgrundlagen für unsere Spezies hinausläuft. Natürlich wird es auch in Zukunft menschliches Leben auf der Erde geben. Aber es ist doch ein Unterschied, ob dies ein paar Millionen oder ein paar Milliarden sind!
Dennis Meadows, Mitautor eines berühmten Buches über die „Grenzen des Wachstums“, hat mir einmal gestanden, dass er in Wirklichkeit noch viel pessimistischer sei als er es öffentlich zugebe (wo er schon als absoluter Pessimist verschrien ist). Aber wenn er das öffentlich sagen würde, was er denkt, dann würde er überhaupt nicht mehr ernst genommen: Dass nämlich im Jahre 2100 voraussichtlich nur noch eine Milliarde Menschen auf diesem Planeten leben könnten – und nicht neun oder zehn Milliarden, wie es normalerweise angenommen wird.
Tatsächlich ist seine Annahme nicht absolut unwahrscheinlich. Auch in den ziemlich konservativen Szenarien des IPCC mit ca. 6,7 Grad Celsius Erwärmung unseres Klimasystems bis 2100 (wenn wir so weiter machen wie bisher) ist diese Möglichkeit vorgedacht. Denn dabei würde es natürlich nicht aufhören – es würde eben weitergehen bis acht, zehn oder zwölf Grad Erwärmung. Dies würde zu einer Welt führen in der Menschen noch nie gelebt haben...und die für Menschen eben auch nicht besonders geeignet ist.
Und dass die „fehlenden“ acht oder neun Milliarden Menschen diese Welt nicht freiwillig verlassen werden dürfte nach aller Erfahrung vorausgesetzt werden. Sie werden sterben durch Hunger und Durst, durch Umsiedlung und Flucht – und vor allem durch Gewalt bei der Durchsetzung „legitimer“ Interessen einzelner oder von Gemeinschaften.
Deshalb also Politik. Aus der Erkenntnis heraus, dass unsere Gesellschaften eigentlich ziemlich weit sind (auch wenn es weh tun sollte), dass auch die Wirtschaft bereit ist, ihren Teil zu tun (mal abgesehen von Energie, Auto, Chemie und Stahl...) – dass aber die Politik sich nicht traut bzw. den Einflüsterungen der Lobbyisten erliegt und eine Politik gegen die Menschen macht.
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