James Hansen und die Krokodil-Lederschuhe
Sorry, aber ich muss noch einmal über James Hansen schreiben. Sie werden fragen, was ich denn über diesen Mann noch schreiben kann, nachdem ich schon den Klima-Nobelpreis für ihn gefordert habe? Nun, ganz einfach: Er verdient noch viel mehr Preise!
Hansen war nie ein Wissenschaftler im Elfenbeinturm – seit 20 Jahren ist er unerschrocken im Auftrag der klimapolitischen Wahrheit unterwegs und zum Teil so lautstark, dass die US-Regierung (in deren Diensten er steht) mehrmals versuchte ihn zum Schweigen zu bringen. Ohne Erfolg, er hat diese Versuche an die Öffentlichkeit gebracht und dadurch unschädlich gemacht.
Nun jedoch ist er in einer Mission unterwegs, die weit über die Verbreitung wissenschaftlicher Erkenntnisse hinausgeht, nämlich der gesellschaftlichen Durchsetzung des 350ppm-Ziels. Zur Erinnerung: Nach Hansens Erkenntnissen ließe sich eine gefährliche Störung des Klimasystems mit einiger Sicherheit nur dann verhindern, wenn die Konzentration an Kohlendioxid in der Atmosphäre von jetzt 385 auf 350 ppm (parts per million) gesenkt wird.
Auf dieser Mission habe ich ihn auch getroffen, letzte Woche am Potsdam-Institut. JamesHansen ist ein erstaunlich junger Mann, gemessen an seiner gefühlten Präsenz in der Klimadebatte, und er ist erstaunlich wütend. Am wütendsten ist er auf die „Krokodil-Lederschuhe“ (alligator shoes) - die Lobbyisten der Energieindustrie, die sich teure Schuhe leisten können. Er fordert sogar, Unternehmensvorstände müssten angeklagt werden, wenn sie aktiv gegen wirksamen Klimaschutz arbeiten indem sie so genannte „Klimaskeptiker“ unterstützen (präzise nennt er die Vorstände von ExxonMobil und Peabody Coal).
Wütend ist er auch auf diejenigen Mitglieder des US-Kongresses, die sich von diesen „special interests“ kaufen lassen. Er kündigt an, das Abstimmungsverhalten dieser Abgeordneten zu prüfen und auf ihre Nicht-Wiederwahl hinzuarbeiten. Der nächste Präsident, so fordert er, müsse die Abwehr der Klimakatastrophe zu einem Schlüsselprojekt der USA machen, ähnlich wie Kennedy in den 1960er Jahren die Landung auf dem Mond.
Sein Tipp übrigens: Barack Obama. Nur dieser habe die nötige Kraft und Vision für die anstehenden Umwälzungen. Doch das sagt er nur im persönlichen Gespräch – so viel Diplomatie muss dann doch sein. Aber den Nobelpreis für Diplomatie, den wird er sicherlich nicht bekommen...
Dr. Hermann E. Ott ist Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
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