Gesprächsstoff Nummer Eins
Tim Flannery behauptet in seinem lesenswerten Buch „Wir Wettermacher“ (seine Aussagen zur Atomenergie bitte überspringen...), in ein paar Jahren werde man eh über nichts anderes mehr reden als über den Klimawandel. Das wäre insofern nichts besonderes, als die Leute ja immer schon am liebsten über das Wetter geredet haben – na gut, am zweitliebsten!
Aber Wetter ist nicht Klima. Klima ist die Gesamtheit aller meteorologischen Ursachen, die für den durchschnittlichen Zustand der Erdatmosphäre verantwortlich sind – das globale Klima also so etwas wie das Durchschnittswetter an allen Orten der Welt. Und über so etwas Abstraktes werden sich die Leute in ein paar Jahren unterhalten?
Ganz so abstrakt ist es nicht: Man trifft sie derzeit wieder überall, die schniefenden, rotäugigen Elendswesen, deren Pollenallergie sie schier um den Verstand bringt. Heuschnupfen! Statistisch gesehen mag sich der Frühlingsanfang durch den beginnenden Klimawandel um zwei Wochen nach vorne verlegt haben - gefühlt sind es mehrere Monate. Und ein Ende der Heuschnupfen-Leidenszeit ist nicht in Sicht. Könnte durchaus sein, dass wir in ein paar Jahren praktisch das ganze Jahr über mit Pollenflug rechnen müssen.
Was Tim Flannery meint, ist natürlich, dass nicht nur „die Allergiker“ die ganze Zeit über das Klima reden. Sondern auch die so genannten Entscheidungsträger. Flannery behauptet, dass die absehbaren Folgen des Klimawandels so ziemlich jeden Aspekt von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft beeinflussen werden. Wenn man nur ein paar Schlagzeilen der letzten Monate betrachtet, ist man auch als nicht-Allergiker geneigt ihm zuzustimmen. Weil zum Beispiel das Eis der arktischen See seit Anfang der 80er Jahre im Sommer über 20 Prozent geschrumpft ist und der Nordpol zur Mitte des Jahrhunderts komplett eisfrei sein könnte, bahnt sich ein diplomatischer (und vielleicht militärischer) Showdown in der Arktis um die Ressourcen an. Und München wird wahrscheinlich die Bewerbung für die olympischen Winterspiele 2018 vergessen können. Schon dieses Jahr mussten 2.000 Kubikmeter Schnee aus Österreich (!) herangeschafft werden, um den Weltcup in Garmisch zu sichern.
Genug Gesprächsstoff gibt es also für die Entscheidungsträger. So ungefähr für die nächsten hundert Jahre. Auch wenn die Leute vermutlich doch nur am zweitliebsten über das Klima reden werden. Flannery ist gerade zum „Australier des Jahres 2007“ gewählt worden.
Nicht nur, weil er ein ernsthafter Wissenschaftler ist. Er sieht auch noch gut aus.
Dr. Hermann E. Ott ist Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
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