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7.000 Atom-Kraftwerke gefällig?

Seit die Energie- und Klimakrise ins öffentliche Bewusstsein gerückt ist, wird allenthalben über eine Renaissance der Atomenergie geraunt. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Paris lässt ausrechnen, dass bis 2050 über 1.300 neue Atomkraftwerke gebraucht würden. Der republikanische Präsidentschaftskandidat John McCain sieht gar für die USA den Bau von 500 bis 1000 neuen Atomkraftwerken vor.

Die Klimaretter-Kolumne hat Platz für etwa 2.000 Zeichen. Geht das, auf 2.000 Zeichen diesem Irrsinn Paroli zu bieten? Auf geht’s!

Die Argumente sollen von der Energieversorgung kommen, denn an den grundsätzlichen Argumenten hat sich ja nichts geändert: Immer noch ist die Atomenergie eine inhärent äußerst gefährliche Form der Energieerzeugung und die kleinen Pannen der letzten Zeit (Forsmark, Brunsbüttel, Krümmel, Krsko, Tricastin) rufen immer wieder ein mahnendes „Vorsicht“! Immer noch gibt es auf der ganzen Welt kein einziges Endlager für stark radioaktive Abfälle. Und immer noch – seit dem 11. September immer mehr! – hängt die Drohung eines terroristischen Anschlags über allen Gesellschaften, die sich dieser Technologie bedienen (und deren Nachbarn).

Müsste all das vielleicht im Lichte der Ölkrise und der drohenden Klimakrise neu bedacht – Atomenergie gewissermaßen als das kleinere Übel akzeptiert werden? Das wäre dann der Fall, wenn die Atomenergie tatsächlich das Zeug hätte, zur Lösung der Energiefrage beitragen zu können. Bereits ein kurzer Abstecher in die Realitäten der Energieversorgung macht jedoch deutlich, dass ethische Abwägungen in diesem Fall nicht erforderlich sind - weil die Atomenergie eine Lösung der Energiekrise nicht einmal versprechen kann.

Eine einfache Rechnung macht das deutlich: Im Moment wird ca. 2,5 Prozent des weltweiten Endenergiebedarfs durch ca. 430 Atomkraftwerke produziert. Soll also ein wesentlicher Teil der Energie nuklear erzeugt werden - sagen wir ein Viertel - dann müssten beim gegenwärtigen Verbrauch ungefähr 4.300 Atomkraftwerke gebaut werden. Nun prognostiziert die Internationale Energieagentur jedoch einen steilen Anstieg des Energieverbrauchs – um bis zu 60 Prozent alleine bis 2030. Es bräuchte also cirka 7.000 Atomkraftwerke, um ein Viertel des Energiebedarfs zu decken.

Bei diesen Zahlen ist in allen Fällen, die mir untergekommen sind, die Debatte beendet. Selbst wenn die Uranvorräte reichen würden (was sie nicht tun) oder eine (wundersame) Brütertechnologie erfunden werden sollte – 7.000 Atomkraftwerke für nur ein Viertel der globalen Energieversorgung, das bringt jede Diskussion zum Verstummen.

Und das ist auch gut so.

Dr. Hermann E. Ott ist Klimaexperte am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

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