Die Steinzeit ist noch nicht angebrochen

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aus Poznan NICK REIMER

 

Kolja Kuse will eine neue Steinzeit. "Das Frappierende an Granit ist, dass er die selbe spezifische Dichte besitzt wie Aluminium", sagt der 49-jährige Münchner. Bedeutet: Granit ist genauso leicht wie Aluminium. Andererseits aber ist der Stein härter und ähnlich druckstabil wie Stahl - und außerdem überall zu finden. "Warum also ersetzen wir nicht Stahl oder Zement auf der ganzen Welt durch Granit?"

 

Diese Frage stelle Kuse vor einem Jahr auf der Klimakonferenz auf Bali. Damals gab es Gespräche mit Rajendra Pachauri, der als Vorsitzender des Weltklimarates IPCC gerade den Friedensnobelpreis erhalten hatte. "Die Inder waren auch interessiert, bali_kuse.jpgwollten aber gleich die ganze Technologie kaufen", erzählt Kuse ein Jahr später. Dieser Schritt war ihm dann doch zu groß: Kuse fand in der Fachhochschule Chur Partner, mit denen er die steinerne Alternative weiter entwickelte. 

 

Und nun ist er wieder auf der Klimakonferenz, um seine Ergebnisse zu zeigen und für die klimafreundliche Alternative zu werben. Auf seinem Messestand in Halle 5 ist eine Granit-Wand zu sehen, die - ähnlich wie Betonplatten - zu fertigen Bauträgern geformt wurde. "Viel bessere Wärmedämmwerte, viel einfacher zu handhaben und vor allem unschlagbar in der Energiebilanz bei der Herstellung", sagt Kuse. 

 

messe2.jpg"Um ein Brechen der Granitschiene zu verhindern, haben wir Kunststofffasern aufgebracht", erklärt Kuse. Zudem ist Granit deutlich leichter als Stahl und Beton. "Das tragende Gerüst der Flugzeuge, Autokarossen, Bahnen, Fahrräder, Baustahl – man könnte alles aus Stein machen", sagt Kuse. Der Vorteil liege auf der Hand: Die Steinkonstruktionen wären so leicht wie die aus Alu und so stabil wie jene aus Stahl oder Stahlbeton. "Man bräuchte weniger Treibstoff. Und bei der Herstellung wird nur ein Bruchteil der Kohlendioxid-Menge frei, die der Herstellungsprozess von Stahl und Beton verursacht."

 

Damit ist Kuses Produkt eines der wenigen Lichblicke in der Messehalle 5.  Zumeist nämlich präsentieren Autobauer grüne Ideen, Dämmspezialisten gängige Praktiken, Windkraftbauer neuer Entwicklung. Auf Kuses Stand steht dagegen ein Bügeleisen aus Stein. "Das frappierende ist: Der Bügelerfolg ist viermal so gut". 

 

In München ist Kolja Kuse Chef der Firma Technocarbon. Die stellt zum Beispiel  drei Millimeter dicke Tischplatten aus Stein her. Serienmäßig ist Kuses Idee auch schon auf dem Markt: Die Schweizer Firma Zai baut einen Premium-Ski - das Modell "Spada" - aus Granit, Holz und Kohlenstofffasern. Natürlich war Kuse mit seinem Steinwerkstoff auch schon auf der Hannover-Messe. "Aber dort hat niemand einen Blick auf das Klimaproblem", sagt der Ingenieur.

 

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