Miese Stimmung in Posen

w1.jpg
Warten auf bessere Nachrichten

  Aus Poznan Nick Reimer

Am Morgen hatte sich zum Beginn der zweiten Verhandlungswoche Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger in einer Videobotschaft an die Delegierten gewandt. Manche glaubten, sie könnten in der Wirtschaftskrise Schritte gegen die Erderwärmung nicht voranbringen, sagte Schwarzenegger. "Aber das genaue Gegenteil ist der Fall." Der US-Bundesstaat Kalifornien, der allein auf sich gestellt die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt wäre, sei Vorbild: Als Vorreiter im Kampf gegen den Klimawandel in den USA. Der Republikaner kündigte an, im kommenden Jahr an der Konferenz COP 15 in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen teilnehmen zu wollen.

Solche Worte aber halfen nichts: Die Delegierten langweilten sich am Montag. Das lag zum einen daran, dass  der schwere Tanker "Kimakonferenz" den Hafen nicht verließ: Wegen des muslimischen Opferfestes ruhten die offiziellen Verhandlungen am Montag. Andererseits ist derzeit kein Kapitän mehr an Bord: Mangelnder Willen bei der EU und keine handlungsfähige amerikanische Regierung führten dazu, dass allen Willigen die Partner für Verhandlungen fehlen - auch den Entwicklungsländern.

w4-saal.jpgNichts los im Saal: Die Verhandlungen ruhten wegen des muslimischen Opferfestes

Andererseits hatte die Verhandlungspause zur Folge, dass den Delegierten genug Zeit blieb, den schweren Sturm zu studieren, in welchen das Flagschiff des Klimaschutzes – die EU – derzeit hin und her gewirbelt wird. Ausgerechnet der Regierungschef des Konferenzgastgebers Donald Tusk und die weltgerühmte Klimakanzlerin Angela Merkel wollen Zugeständnisse? Ausnahmeregelungen? Sonderbehandlungen?

 "Wenn es die deutschen Vorreiter nicht schaffen, wenn sie eingestehen müssen, dass Klimaschutz nicht möglich ist, dann werden wir bestimmt nicht die ersten sein, die damit beginnen", erklärte ein indischer Delegierter.

Angela Merkel hatte am Freitag in einer Regierungserklärung im Bundestag gesagt: "Wir müssen erreichen, dass unsere energieintensive Industrie, die vom Export lebt, natürlich von dem Zertifikatehandel so ausgenommen wird, dass daraus nicht Nachteile auf dem Weltmarkt entstehen".

Wenn es in anderen Teilen der Welt den Emissionshandel schon gäbe, dann wäre eine solche Ausnahme nicht nötig. "Aber so wie die Sache steht, können wir uns nicht unsere Exportchancen verderben, und zum Schluss zusehen, wie Chemie-Arbeitsplätze, Stahl-Arbeitsplätze und ähnliches in Regionen der Welt abwandern, wo der Umweltschutz geringer ist als bei uns".


w2-eisb.jpg
Selbst unter den NGOs verbreitet sich Frustration

Am Dienstag wird sie sich nun mit Polens Premier in Warschau treffen. Am Wochenende hatte Ratspräsident Sarkozy in Danzig versucht, die Halsstarrigkeit der Polen zu besänftigen. Ohne Erfolg. Weshalb auch am Dienstag mindestens die Hälfte aller NGOs aus Poznan nach Warschau reisen will – um gegen die ehemalige Klimakanzlerin Angela Merkel zu demonstrieren.

Wie stark das Klimapaket auf des Messers Schneide steht, verdeutlicht eine Einladung des britischen Premiers Gordon Brown. Zum informellen Vorbereitungstreffen des EU-Gipfeltreffens am Donnerstag und Freitag - auf dem das EU-Klima- und Energiepaket beschlossen werden soll, ist Angela Merkel nicht mehr eingeladen.

FOTOS: wwf, Reimer


 

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen