Schwerpunkte

G20 | Trump | E-Mobilität

Bingo, endlich Youngo!

Zum ersten Male haben Jugendorganisationen in Kopenhagen eine eigene Schaltzentrale. Anerkannt als YOUNGOS sind sie so in der Lage, ihre Proteste zu koordinieren und den Verhandlungsprozess zu verfolgen.

 Vom Konferenzparkett DANIEL BOESE

"So lange ich lebe, verhandelt ihr schon. Ihr könnt nicht noch mehr Zeit brauchen".  Mit diesen Worten sprach Christina Ora in dieser Woche zum Plenum der COP. Die 17-jährige Schülerin von den Salomonen-Inseln hielt eine kurze Rede als offizielle Vertreterin der Jugend, in der sie die Delegierten daran erinnerte, dass sie bereits seit 1992 über Abkommen zum wirksamen Klimaschutz verhandeln.

bed-in-daniel.jpg
Junger Protest auf der Klimakonferen: hier ein "Bed in"...

1992 wurde die UN-Klimarahmenkonvention verabschiedet, im gleichen Jahr wurde Christina geboren. Ihre Rede ist der erste offizielle Auftritt einer Jugendvertreterin bei den Klimaverhandlungen. In Kopenhagen hat die Jugend nun zum ersten Mal bei den UN den Status als "YOUNGO" erhalten - als "Jugend-Nichtregierungsorganisation". Damit hat die Jugend die gleichen Rechte wie die vielen Beobachter-Organisationen der Umwelt- oder Wissenschaftsverbände, der Gewerkschafts- oder Industrie-Lobbyisten.

Christina Ora macht die besondere Rolle der Jugend bei der Konferenz deutlich, die ja das Ziel hat, zukünftigen Generationen eine bewohnbare Erde zu hinterlassen. Christina ist die erste Jugenddelegierte von den Salomonen. Sie kennt die Effekte des Klimawandels aus ihrer Heimat, in der bereits die ersten Menschen wegen des steigenden Meeresspiegels umsiedeln müssen. Das "Projekt Überleben Pazifik" unterstüzt ihre Reise zur COP. 27 Jugendlichen aus Australien und dem Pazifik hat das Projekt auf die  Konferenz geschickt, um für einen fairen Klimadeal Druck zu machen.

Der Donnerstag war denn auch den "jungen und zukünftigen Generationen" gewidmet, es fanden über 30 Events zum Thema Jugend statt: Das British Council brachte seine "Climate Champions " aus aller Welt zusammen, der Weltverband der Pfadfinderinnen organisierte gleich eine ganz Reihe von Nebenveranstaltungen und natürlich gab es ein Gespräch über die Generationsgrenzen hinweg - Yvo de Boer sprach auf einem Panel mit Jugendlichen. Der Chef des Klimasekretariats sagte: "Junge Menschen haben ihre Energie und ihre Kreativität in den Verhandlungsprozess von Landesregierungen eingebracht und sie verlangen konkrete Maßnahmen von ihren Regierungen." 

Dies geschieht vor allem, in dem Jugendliche die Geschichten erzählen, wie ihre Länder heute vom Klimawandel beeinflusst werden. Ruchi Jain aus Mumbai erzählte von den Überschwemmungen in ihrer Heimatstadt - und den Selbstmorden von tausenden Bauern in Indien. Sie endete ihre Rede mit einem Appell an die Delegationen: "Ich vertraue den Diplomatinnen."

Worauf Yvo de Boer entgegnete "Vertrauen muss man sich erarbeiten." Was aber jetzt nicht unbedingt den "YOUNGOs" galt:  De Boer sagte: "Diese Verhandlungen müssen sich mein Vertrauen erst noch verdienen." Gleich nach de Boers Statement führten die jungen Aktivisten eine Demonstration durch, bei der sie acapella einen Gewitterregen erklingen ließen.

future.jpg
... und hier ein "Schild hoch". (Fotos: Messina, Reimer)

Seit der Klimakonferenz in Nairobi ist die Beteiligung von Jugendlichen an den Verhandlungen stark gestiegen. Waren es Anfangs unter 100, so hatten auf Bali 2006 über 150 Jugendliche eine Akkreditierung. Vor allem Amerikaner, Kanadier und Australier stellten die ersten großen Abordnungen. In Poznan waren dann schon über 500 angemeldet.

Jetzt sind in Kopenhagen weit über 1.000 Jugendliche beteiligt.  350.org hat natürlich 350 Personen angemeldet, um für 350 ppm und das 1,5-Grad-Ziel zu werben. Der Großteil von ihnen kommt aus dem globalen Süden: aus Afrika, dem indischen Subkontinent und dem Pazifik. Die Universität Yale schickte 40 Studenten. Jeden Morgen tagt um acht Uhr der basisdemokratische Sprecherrat, der Raum ist meist mit 200 Teilnehmern gefüllt.

Rund um die Welt sind in den letzten Massenbewegungen von Jugendlichen entstanden, die nun ihre Vertreter nach Kopenhagen senden: die Nepalese Youth for Climate Action (NYCA), das Indian Youth Climate Network (IYCN) oder die Australian Youth Climate Coalition (AYCC). In der Eröffnungszeremonie am Montag konnten die Delegierten im Eröffnungsfilm das allererste Mädchen sehen, das schon 1992 am Umweltgipfel in Rio teilnahm: Severn Suzuki. Ausschnitte aus ihrer Rede, die inzwischen ein viraler Youtube-Hit ist , wurden gezeigt. 

christina_ora_1.jpg
Christina Ora von den Salomonen.

Neben der Jugend hat in Kopenhagen auch die Abordnung für Women und Gender den Status als "Constituency" erhalten, ebenso die Farmer. Daneben gibt es schon seit Jahren gut organisierte Netzwerke einzelner Lobby- oder Umweltgruppen.

So gibt es auf jeder Klimakonferenz Extra-Räume für die die BINGOs (Business and industry non-governmental organizations), das sind die Wirtschaftslobbyisten. Allein die Internationale Handelskammer ICC hatte auf der letzten Konferenz in Bangkok mit 15 Vertretern (unter anderem von Exxon und Shell) eine größere Delegation akkreditiert als beispielsweise die argentinische Regierung.

Die Abgesandten von Gewerkschaften nennen sich TUNGOs (Trade union non-governmental organizations). Wissenschaftliche Organisationen heißen im Konferenzjargon RINGOs (Research and independent organisations). Und dann sind da natürlich auch die ENGOs (Environmental non-governmental organizations), also Umweltschutzorganisationen. Auf der letzten Konferenz in Bangkok war allein das Teilnehmerverzeichnis 91 eng bedruckte Seiten dick, aus Deutschland kamen neben der 32-köpfigen Regierungsdelegation zum Beispiel Vertreter der Landwirtschaftskammern, des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, vom Hilfswerk "Brot für die Welt" und natürlich von Greenpeace und WWF.

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen