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WMO: Zwei Grad kaum noch zu halten

Die World Meteorological Organization (WMO) schlägt Alarm: 2011 wird wieder ein Rekordjahr. Die 13 wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen lagen in den letzten 15 Jahren. Die Kohlendioxidkonzentration der Atmosphäre ist so hoch wie nie, und das Zwei-Grad-Ziel wird immer schwerer erreichbar 

Aus Durban Eva Mahnke

Die World Meteorological Organization (WMO) hat auf der Klimakonferenz in Durban die Daten der Wetterbeobachtungen für das Jahr 2011 vorgestellt – und Alarm geschlagen. Zwar wird Jahr 2011 nicht den Hitzerekord von 2010 brechen. Jedoch prognostizieren die UN-Meteorologen Platz 10 seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1850 ein.

Nach den WMO-Daten liegen die 13 wärmsten Jahre alle in den vergangenen 15 Jahre seit 1997. Damit hat sich die Erdatmosphäre in der letzten Dekade so stark erwärmt wie nie zuvor. Mit plus 0,46 Grad Celsius war der Zeitraum 2001 bis 2010 deutlich wärmer als im langfristigen Durchschnitt.


Jeremiah Lengoasa, stellvertretender Generalsekretär der WMO, warnt die Delegierten in Durban davor, dass das 2-Grad-Ziel nicht mehr zu halten sei. (Foto: Eva Mahnke)

Das Wetter des vergangenen Jahres wurde vor allem durch den La-Nina-Effekt geprägt, der bereits Mitte 2010 eingesetzt hat. Dieses Phänomen ist die Schwester von El Nino und zeichnet sich durch hohe Luftdruckunterschiede zwischen Indonesien und Südamerika aus. Das Besondere an La Nina: Mit den damit einhergehenden verstärkten Passatwinden führt der Effekt eigentlich zu niedrigeren Temperaturen. Aber nicht einmal dieser Effekt reicht offenbar mehr aus, um die Erde zu kühlen. Unter den La-Nina-Jahren seit Beginn der Messungen ist 2011 das Wärmste überhaupt gewesen.

"Unsere Daten belegen eindeutig, dass die Welt sich erwärmt und dass diese Erwärmung vom Menschen gemacht ist", sagte Jeremiah Lengoasa, stellvertretender Generalsekretär der WMO, am zweiten Tag der Klimakonferenz in Durban.

Lanoasa: mehr Stürmen, Dürren und Überschwemmungen

Auch die Kohlendioxidkonzentration in der Atmosphäre habe einen neuen Höchststand erreicht, so der WMO-Bericht. "Die Konzentration nähert sich sehr schnell einem Level, das einen durchschnittlichen Temperaturanstieg von 2 bis 2,4 Grad Celsius Erderwärmung bewirken wird", so Lanoasa weiter. Nach Ansicht der Wissenschaftler führt das zu weitreichenden und irreversiblen Schäden von Erde, Biosphäre und Ozeanen.

Lengoasa sagte auch, was das für das Wetter bedeutet: "Es ist mit immer mehr Stürmen, Dürren und Überschwemmungen zu rechnen, die Extremwetterereignisse werden zunehmen."  Besonders erstaunt die  Meteorologen, dass sich Wetterphänomene, die sonst auf bestimmte Regionen beschränkt waren, zuletzt überraschend auf andere Gebiete ausgebreitet.

Die WMO bilanziert in ihrem Bericht auch die Entwicklung des arktischen Meereies. Dessen Volumen ist in 2011 so gering wie nie zuvor gewesen. Die arktische Eisfläche weist in diesem Jahr ihre zweitkleinste Ausdehnung auf.


Das Eisvorrat der Erde schwindet von Jahr zu Jahr stärker. (Foto: NSIDC)

Anlässlich der in Durban stattfindenden Klimakonferenz hat die WMO bereits jetzt die vorläufigen Ergebnisse einer im März 2012 erscheinenden Studie vorgestellt. Die WMO ist für die UN die entscheidende Autorität in Sachen Wetter und Klima. "Unsere Rolle ist es, den Entscheidern wissenschaftliche Informationen zur Verfügung zu stellen", sagte Lengoasa. "Unsere wissenschaftlichen Erkenntnisse bieten verlässliche Daten."

 

 

 

 

Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier

 


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