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Schweden weltbeste Klimaschützer

Klimaschutzindex 2011: Nach den Skandinaviern folgen Großbritannien und Deutschland im Ranking von Germanwatch. Grund für die Verbesserung der Bundesrepublik ist die bloße Ankündigung der Energiewende. Wie gut solche Ankündigungen schließlich in der Politik verankert werden, erfasst der Index aber nicht. Autor Jan Burck kündigt für das kommende Jahr eine Evaluation der Methodik an.

Aus Durban Nick Reimer

Wer kann eigentlich als Vorbild beim Klimaschutz gelten? Germanwatch und das Climate Action Network Europe haben heute in Durban den Klimaschutz-Index 2012 vorgestellt, der alljährlich versucht, den Klimaverhandlern Anschauungsbeispiele zu geben. Bewertet werden jene 58 Länder, die den höchsten Treibhausgas-Ausstoß zu verantworten haben. Neben Emissionstrends gehen auch die politischen Schritte der Länder in das Ranking ein, das in diesem Jahr von mehr als 200 Experten bewertetet wurde.

Ergebnis: Keines der 58 Länder hat demnach genug getan, um die Erderwärmung zu stoppen. Deshalb bleiben wie auch in den Vorjahren die ersten drei Plätze frei. Bis 2007 war das noch nicht so, Deutschland landete damals auf Platz 2. Unter anderem eine Debatte auf klimaretter.info hatte dann Germanwatch bewegt, die ersten Plätze frei zu lassen.


Jan Burck, Studien-Autor, und Christoph Bals, der Chef von Germanwatch (rechts) bei der Vorstellung des Index in Durban. (Foto: Reimer)

Schweden landet in diesem Jahr als bestes Land auf Platz 4. Ursache ist das geringe Emissionsniveau, das die Skandinavier dank Atom- und Wasserkraft traditionell aufweisen, seit Jahren belegen sie vordere Plätze. Zudem sei Schweden ein gutes Beispiel dafür, wie Emissionen im Gebäudebereich gesenkt werden können. Weniger gute Noten bekommen die Schweden für ihre Politik: "Seit 2005 stagniert die Klimaschutz-Arbeit der schwedischen Regierung", so Burck. 

"Großbritannien folgt auf Platz zwei dank eines umfangreichen und bis 2050 reichendem Klimaschutzgesetz", erklärte Studienautor Jan Burck von Germanwatch. Allerdings sei dieses Gesetz noch nicht genügend in der Politik verankert. Für das Vereinigte Königreich spricht ein geringes Reduktionsniveau: Die Briten haben ihr Kyoto-Ziel schon erfüllt.

Schwächen im System des Index

Deutschland folgt als drittbestes Land und hat sich damit um einen Platz gegenüber dem letzten Index verbessert. Emissionstrend und Energiewende gaben den Ausschlag. Allerdings zeigt der Index an dieser Stelle seine Schwächen: Wie die angekündigte Gesetzgebung dann tatsächlich fachlich umgesetzt wird, erfasst der Index nicht. So folgt im Index 2011 beispielsweise auf Platz sieben Brasilien, das ein Waldschutzgesetz angekündigt hatte. Heute nun soll dieses Gesetz beschlossen werden. Kritiker allerdings bezeichnen das Waldschutzgesetz Brasiliens als "Waldabholz-Gesetz". Trotzdem wird Brasilien 2012 Platz sieben behalten.

Fünf der größten Emittenten, Iran (60), China (57), Russland (56), Kanada (54) und USA (52) bekamen die Note "sehr schlecht". Burck: "Aus dieser Gruppe ist China das einzige Land mit einer guten Politikbewertung. Der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien und die Energieeffizienz-Ziele des zwölften Fünf-Jahres-Plans können China helfen, in den kommenden Jahren Plätze gut zu machen." Auf den letzten Plätzen landeten die Türkei, Kasachstan, Iran und Saudi-Arabien.


Rot bedeutet ganz schlecht, orange schlecht, gelb ist so lala, grün ganz gut. (Karte: Germanwatch)

"Die Ergebnisse in diesem Jahr sind besorgniserregend, weltweit ist die Abhängigkeit von Kohle noch weiter gestiegen", erläutert Burck. Der Index umfasst jene Länder, die zusammen 90 Prozent der energiebedingten Emissionen zu verantworten haben. In seine Berechnung fließen die landesspezifischen Emissionen mit 80 Prozent ein, zu jeweils 10 Prozent spielen die nationale und die internationale Klimapolitik eine Rolle.

Für kommendes Jahr kündigte der Germanwatch-Experte Burck eine Überarbeitung der Index-Methodik an. "Wir wollen mit anderen Experten überprüfen, ob die Standards, die wir an den Index stellen, die besten sind." Außerdem werde versucht, den Index um die Bewertungskomponenten "Emissionen aus der Entwaldung" und "Finanzierung im internationalen Klimaschutz" zu erweitern. Dies, so Burck, solle mehr Gerechtigkeit zwischen Nord- und Südländern ins Ranking bringen.

 

 

 

 

Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier

 


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