Seine Heiligkeit bringt nichts aus der Ruhe

Das Porträt: Einer von 15.000

In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Seine Heiligkeit Shri Shri Soham Baba, religiöser Meister aus Nepal. Im wallenden Gewand schreitet er über das Konferenzgelände und hat eine wichtige Botschaft an die "Führer der Welt": "Vergesst nicht das Klima in euch selbst." 

In der Höhle seiner Heiligkeit tropft es, seit 20 Jahren schon, und das ist nicht normal. Seiner Heiligkeit Shri Shri Soham Baba - wohl die schillerndste Figur auf dem Konferenzgelände in Durban - gehören mehrere Höhlen im Himalaya, hierunter auch Eishöhlen. "Irgendwann hat es hier angefangen zu tropfen und ich dachte mir, irgendetwas kann hier nicht stimmen." Shri Soham Baba hat sich deshalb mit den anderen "Meistern" besprochen. Die Weisen kamen alle zum selben Ergebnis: Es wird wärmer in den Bergen, irgendetwas ist faul.

Seitdem beschäftigt der Klimawandel Soham Baba und seit etlichen Jahren reist er auch zu den Klimakonferenzen, um den "Führern der Welt", wie er es ausdrückt, seine Botschaft zu übermitteln: "Ich will die Führer der Welt daran erinnern, dass es nicht nur um das äußere Klima geht, sondern auch um das Klima in uns selbst." Nachdrücklich gestuliert er dabei mit den Händen und rückt von Zeit zu Zeit sein Gewand zurecht, das ihm vom Kopf zu rutschen droht.


Seine Heiligkeit meditiert in einer seiner Eishöhlen im Himalaya. (Foto: Archiv His Holiness Shri Soham Baba)

"Wir gehen shoppen, um unsere innere Krise zu überdecken", erklärt der Meister. "Der Mega-Konsum ist einer der größten Faktoren des Klimaproblems." Wenn alle genug Selbstwertgefühl hätten, würde die Welt ganz anders aussehen, sagt Soham Baba.

Das Konferenz-Zentrum brummt vor Spannung wie ein Bienenstock. Noch ist nicht abzusehen, bis wann sich die Verhandlungen hinziehen werden, Gerüchte um ein Scheitern machen die Runde. Aber Seine Heiligkeit bringt nichts aus der Ruhe. Stets ist Shri Soham Baba von einer Hand voll Begleiter umgeben: die Sprecherin, die den übervollen Interview-Kalender koordiniert, der Fotograf, der jede einzelne Begegnung des Meisters festhält, die Tochter, Organisatoren. Sie sprechen über Shri Soham Baba nur als "Seine Heiligkeit".

Interviews gebe "Seine Heiligkeit" am liebsten neben dem Baum der Hoffnung, den er direkt vor dem Konferenzgelände gepflanzt habe. Und es könne durchaus vorkommen, dass "Seine Heiligkeit" von den Fragen abschweife, erklärt seine Sprecherin Maria, die aus den Niederlanden stammt. Hier befindet sich eines der vier Zentren der Soham Baba Foundation, der großen caritativen Organisation des Meisters.


Seine Heiligkeit erklärt UN-Klimachefin Christiana Figueres die Arbeit seiner Stiftung. (Foto: Verena Kern)

Wütend ist der Meister auf die "Führer der Welt" angesichts des fortschreitenden Klimawandels nicht. "Ich akzeptiere Scheitern genauso, wie ich auch Erfolge akzeptiere", sagt er und lobt die Fortschritte der vergangenen Klimakonferenzen. "Alles braucht Zeit, um zu wachsen." Alles ist Optimismus an  ihm. Man müsse eben selbst zum Vorbild für die "Führer der Welt" werden. "Es gibt nie eine 'letzte Minute'. Man kann immer anfangen, etwas zu tun." Man könne die Politiker unterstützen, indem man ihnen selbst zum ermutigenden Vorbild werde, so der Meister. Deshalb pflanzt Soham Baba Bäume.

Um seine Sichtbarkeit zu erhöhen, lässt der Shri farbige Bildbände drucken, die ihn selbst zeigen - meditierend in seiner Höhle, umringt von Anhängern, im Gespräch mit Menschen, in heilender Mission mit einem Stethoskop um den Hals. "Alle lieben mich", vergisst er nicht zu betonen. Selbst UN-Klimachefin Christiana Figueres habe ihm erklärt: "Your are a great guy, Soham Baba."

Aufgezeichnet von Eva Mahnke

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Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier

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