"Wir tun eine Menge für den Klimaschutz"

Das Porträt: Eine von 15.000

In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Nik Aznizan Nik Ibrahim, Vertreterin der Malaysischen Palmölindustrie. An ihrem Stand im Ausstellungsbereich des Konferenz-Zentrums versorgt sie Interessierte mit Hochglanzbroschüren und beruhigenden Nachhaltigkeitsbotschaften. 

Eine zwei Quadratmeter große Box aus drei Stellwänden, viele bunte Plakate mit Bildern und Grafiken, ein Tisch mit verschiedenen Hochglanzbroschüren und ein Laptop, um auf dem Laufenden zu bleiben - das ist der Stand von Nik Aznizan Nik Ibrahim in der Ausstellungshalle auf dem Konferenzgelände in Durban. In den Nachbarboxen präsentieren sich die Staaten Bangladesh und Indonesien.

Weltklimakonferenz - das ist immer auch eine PR-Schlacht der Thinktanks, Lobbys, Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen. Knapp 200 Aussteller sind ins Konferenzzentrum nach Durban gekommen, aus Deutschland ist beispielsweise das Bahn-Transportunternehmen Schenker da, das Wuppertal Institut für Klima, Energie und Umwelt oder die Böll-Stiftung. 

Nik Aznizan Nik Ibrahim repräsentiert die malaysische Palmölindustrie, den wichtigsten Wirtschaftszweig in dem südostasiatischen Land. "Meine Aufgabe hier ist es, über die Palmölindustrie zu informieren und dafür zu sorgen, dass die Leute die richtigen Informationen bekommen ", sagt die adrette Frau mit dem sorgfältig geschminkten Gesicht. "Wir wollen erklären, welche Bedeutung die Industrie für unser Land hat und was wir für die Nachhaltigkeit tun." Immerhin 610.000 Malaien arbeiten in diesem Sektor.


Aznizan steht bereits seit einer Woche für Fragen bereit. (Foto: Mahnke)

"Wir tun auch eine ganze Menge für den Klimaschutz", erklärt die Industrievertreterin. Sehr viele Ölmühlen würden beispielsweise bei der Produktion entstehendes Methan auffangen und energetisch nutzen. "Das Treibhausgas Methan ist 21 Mal schädlicher als Kohlendioxid, sodass das einen wirklichen großen Effekt hat."

Auf einem der Plakate an den Wänden der Box steht in großen Lettern geschrieben: "Die Verpflichtungen der malaysischen Palmölindustrie im Kampf gegen den Klimawandel". Abgebildet sind der Premierminister und der Minister für die Plantagenindustrie, die schweigend lächelnd Aznizans Aussagen bestätigen.

Eigentlich ist Aznizan Wissenschaftlerin, sie hat ihren Abschluss in Chemie gemacht. Bis 2004 arbeitete sie im Malaysischen Energie-Zentrum, einer Einrichtung, die die Regierung in Energiefragen berät. Deshalb kennt Nik Aznizan Nik Ibrahim Klimakonferenzen von innen, während der Institutszeit war sie als Beraterin Mitglied der malaysischen Regierungsdelegation.

Das ist für ihre Arbeit heute natürlich von Vorteil. Weiterhin seien die Verbindungen zur Delegation sehr gut, sagt sie, ohne näher darauf einzugehen, ob dadurch die malaysische Palmölindustrie quasi mit am Konferenztisch sitzt. "Ein paar der malaysischen Delegierten haben unsere Veranstaltung am Montag besucht und wir hatten ein gutes Abendessen mit unserem Umweltminister", sagt Aznizan. Man habe sich aber auch mit NGO-Vertretern getroffen, ergänzt sie.

"People - Planet - Profit" - die Menschen, der Planet, der Profit - sind die Kernbegriffe von Aznizans Botschaft. "An diesem Nachhaltigkeitsdreieck orientieren wir uns", erklärt sie. Die Palmölindustrie sei der am stärksten regulierte Wirtschaftssektor Malaysias. Rund 60 Vorschriften würden ganz genau vorschreiben, was zu tun sei. Und seit 1990 gebe es auch ein Gesetz, das es verbiete, noch Regenwälder für Palmölplantagen abzuholzen.

"Nur zur Information", diese Formel taucht immer wieder in Aznizans Redefluss auf. "Nur zur Information: Das einzige, was wir tun", versichert die Botschafterin der Malaysischen Palmölindustrie, "ist die Umnutzung von Brachland und zuvor anderweitig genutzter Flächen für unsere Plantagen." Und sie kann das belegen: Der "Malaysian Palm Oil Wildlife Conservation Fund" finanziert Biodiversitätsprojekte.

Kleine Kostprobe? Gerne überreicht Nik Aznizan Nik Ibrahim eine Hochglanzbroschüre, auf der Elefanten und Affen sich in üppigem Regenwaldgrün tummeln. Ein Naturreservat: Andere Regenwälder gibt es in Malaysia schon lange nicht mehr. Bezogen auf seine Fläche produziert Malaysia weltweit am meisten Palmöl (2008: 17,4 Millionen Tonnen).

aufgezeichnet von Eva Mahnke

Andere von 15.000:


Shri Shri Soham Baba - Es tropft im Hause seiner Heiligkeit
Nik Aznizan Nik Ibrahim - Palmöl-Lobbyistin aus Malaysia
Richa Sharma
- Nachrichtenjagd im Konferenzdschungel
Craig Jacobson
- Doktorand aus St. Louis
Christiana Figueres
Herz der Klimadiplomatie
Steve Sawyer
Der grüne Lobbyist
Beniamino Salacakau -
Delegierter für die Fidschi-Inseln

Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier


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