Nachrichtenjagd im Konferenzdschungel

Das Porträt: Eine von 15.000

In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Richa Sharma, Journalistin aus Indien, die versucht, in dem undurchsichtigen Dickicht der Verhandlungen jene Nachrichten zu finden, die relevant für die indische Nachrichtenagentur sind.

"Das stimmt", sagt  Richa Sharma, "unsere Umweltministerin ist eine wirklich resolute Verhandlerin. Ihr Auftreten, ihre Körpersprache, ihr Blick, einfach alles."

Indien gilt als einer der ganz großen Brocken in Durban, was zweifelsfrei an Jayanthi Natarajan liegt, die seit Juli Indiens neue Wald- und Umweltministerin ist. "Es ist falsch, von den Entwicklungsländern zu fordern, einen Teil zur Lösung des Problems zu leisten. Wir können nichts zur Emissionsreduktion beitragen, weil wir keine Emissionen verursachen", hatte Jayanthi Natarajan am Mittwoch erklärt. Dabei ist Indien mittlerweile drittgrößter Kohlendioxid-Verschmutzer hinter China und den USA - wenn auch der Pro-Kopf-Ausstoß mit 1,5 Tonnen fast zehnmal so klein ist, wie der Deutschlands.


Harte Verhandlerin: Indiens Umweltministerin Jayanthi Natarajan, hier neben UNEP-Chef Achim Steiner, Rachel Kyte, Vizepräsidentin für Nachhaltige Entwicklung der Weltbank, und Ali'ioaigi Feturi Elisaia von den Samoa-Inseln. (Foto: iisd.ca)

Die Journalistin Richa Sharma findet das taffe Auftreten der Ministerin in Ordnung: "Indien hat eine klare Position, genauso wie China. Natarajan kommuniziert das anders, das stimmt schon, aber sie eine Blockiererin zu nennen, ist falsch." Schließlich habe China auch fünf Bedingungen gestellt, um eigene Reduktionspflichten zu übernehmen. "Natarajan hat gesagt: Wenn die Industriestaaten eine zweite Verpflichtungsperiode unter dem Kyoto-Protokoll beschlossen haben, können wir über die Zukunft reden. Aber nur dann."

Verpflichtungsperiode, Kyoto-Protokoll, Reduktionspflichten - vor einem Jahr waren das für Richa Sharma noch Fremdworte. Die 28-jährige hatte ihr Journalistik-Studium in Neu-Delhi beendet und sich dann für ein Stipendium des "Environmental reporting programme" beworben, das die deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit ausgeschrieben hatte. "Ich war im Sommer in Deutschland, habe viel gelernt und das Land genossen", sagt Richa Sharma.

Die Klimakonferenz dagegen sei alles andere als ein Genuss. "Das sind oft so komplex technische Themen, die zu verstehen ist schwer, und sie für den Leser aufzubereiten manchmal schlechterdings unmöglich", so die 28-Jährige. Ständig würden Gerüchte übers Konferenzparkett gestreut, ständig gebe es neue Statements, ständig ändere sich die Gemengelage. "Die meisten der wichtigen Verhandlungstüren sind verschlossen. Wie soll man also die Bestätigung für solche Gerüchte bekommen?"

An diesem Donnerstag hieß es beispielsweise, China habe seinen Chefverhandler ausgetauscht. Nun sei wieder ein Hardliner für Chinas Position zuständig. War Peking nicht zufrieden? Sind die Chinesen gar nicht kompromissbereit? Was bedeutet das für die Konferenz? Oder sind es nur Gerüchte? Richa Sharma kann manchmal nur mutmaßen. Aber sie muss ja liefern. Ihre Nachrichtenagentur will Texte, Texte, Texte. 


Gestresste Journalistin: Richa Sharma ist eine der 15 indischen Kollegen auf der Konferenz. (Foto: Reimer)

1.600 Journalisten berichten von der Klimakonferenz in Durban, aus Indien sind es 15. Es gibt 40 Verhandlungssäle, stündlich mehrere Pressekonferenzen gleichzeitig, tonnenweise Pressemeldungen, Pressemappen, Studien, Präsentationen. "Von Südafrika habe ich bislang noch nichts gesehen", sagt Richa Sharma. Morgens ist sie schon kurz nach Sonnenaufgang im Konferenzzentrum, ins Hotel zurück geht es mit dem Shuttlebus immer erst, wenn es schon lange dunkel ist. Dann fällt Richa Sharma einfach nur ins Bett. "'Wow, Südafrika', haben meine Freunde gesagt, aber ich weiß jetzt, dass Klimakonferenzen ein knochenharter Job sind."

aufgezeichnet von Nick Reimer

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Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier


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