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"Ich muss nur verrückt genug wirken"

In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Craig Jacobson, Doktorand für Energie- und Umweltwissenschaften an der Washington Universität in St. Louis

Mittagszeit im Konferenz-Zentrum in Durban, in dem die Delegierten seit Tagen um Fortschritte zu den verschiedenen Verhandlungspunkten ringen. "How are you", spricht Craig Jacobson einen Delegierten vor sich in der Schlange an der Essenstheke mit der obligatorischen Floskel  an. "Haben Sie einen Moment Zeit für mich?"

Craig Jacobson ist gerade 28 Jahre alt und steckt voller Energie. "In den letzten Tagen habe ich schon mit unheimlich vielen Delegierten gesprochen", erzählt enthusiastisch. "Einer aus der chinesischen Delegation war auch darunter - und der zweitwichtigste Mensch aus der amerikanischen Delegation." Jacobson hat eine Mission: Eine Woche hat er Zeit, so viele Menschen wie möglich anzusprechen, um ihnen von seiner Idee zu erzählen.

Eigentlich ist Craig PHD-Student und promoviert im Fach Umwelt- und Energiewissenschaften. "Ich habe von der Washington-Universität in St. Louis, wo ich studiere, 500 Dollar bekommen, damit ich nach Durban fahren kann." Damit die Leute ihn ernst nehmen, gibt Craig den verrückten Wissenschaftler. "Ich habe mir extra meinen Bart stehen lassen", sagt er und streicht lachend darüber. Zwar trägt er Hemd und Jacket, hat sich aber auch eine afrikanische Perle um den Hals gehangen. "Ich muss nur verrückt genug aussehen als Wissenschaftler. Dann nehmen mich die Leute ernst."


Craig Jacobson lässt keinen Moment ungenutzt, um Delegierten von seiner Idee zu erzählen. (Foto: Eva Mahnke)

"Meine Idee basiert auf der Methode der System Dynamics", erklärt Craig Jacobson und gestikuliert raumgreifend. "Das ist ein Ansatz, der in den 50er Jahren am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge entwickelt wurde, um sehr komplexe und dynamische Systeme zu analysieren. Man kann damit den Einfluss von Entscheidungen auf die Struktur eines Systems untersuchen." Ob es sich dabei um die nachhaltige Bewirtschaftung der Wasserressourcen in einem Dorf handelt oder um das System Atmosphäre sei dabei vollkommen gleichgültig.

Craig will eine Internet-Plattform entwickeln, auf der sich Delegierte wie Nicht-Delegierte außerhalb der seiner Meinung nach festgefahrenen UN-Klimaverhandlungen auf die Suche nach Lösungen machen können. "Hier kann jeder seine Sichtweise und Lösungsvorschläge zu Papier bringen, andere werden das kommentieren und so kristallisieren sich nach und nach tragfähige Lösungen heraus." Der Vorteil des Modells liege in den Reflektionsschleifen, die dadurch entstünden, dass immer wieder jemand kommt, um das Bisherige zu kommentieren. "Ein bisschen funktioniert es wie ein Wiki", erklärt Craig.


"Ich bin nicht naiv", sagt Craig Jacobson. (Foto: Eva Mahnke)

"Ich bin nicht so naiv zu glauben, dass meine Idee plötzlich alles ändert", sagt Craig, der ein paar Jahre lang für die Ratingagentur Standard & Poor's gearbeitet hat, bevor er sich entschloss, etwas zu tun, das Leuten nutzt und ihnen nicht nur dabei hilft "ein paar Millionen Dollar zu sparen". Er wisse zum Beispiel sehr genau, dass sich der amerikanische Energiebedarf nicht einfach mit einem Fingerschnippsen durch erneuerbare Energien decken lasse.

"Die Leute sollen aber erkennen, dass es um sehr viel grundlegendere Dinge geht als nur den Energieverbrauch." Dieser und der Emissionsausstoß seien einfach das  Ergebnis der blinden Konsumwut der Amerikaner. "Hier in Durban versuche ich die Verhandler davon zu überzeugen, dass sie gemeinsam mit sehr vielen anderen diese andere Sichtweise entwickeln müssen."

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Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier

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