"Mein Dorf wird verschwunden sein"

Das Porträt: Einer von 15.000

In einer kleinen Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Beniamino Salacakau, High Commissioner der Regierungsdelegation des Inselstaates Fidschi

"Eigentlich bin ich ja Lehrer", sagt Beniamino Salacakau und lehnt sich müde in seinem Stuhl zurück. "Aber weil ich auch in einer NGO gearbeitet und mich viel mit dem Thema Klima befasst habe, bin ich schließlich in der Regierungsdelegation der Fidschi-Inseln gelandet."

Durban ist Salacakaus erste Klimakonferenz und er fühlt sich oft überfordert. "Man sitzt hier mit Leuten in einem Raum, die seit 14 oder 15 Jahren dabei sind", sagt er resigniert und auch die Plastikblume an seinem Hemd kann die Stimmung nicht aufheitern. "Ich habe manchmal schon Probleme, nur die Akronyme zu verstehen. Wenn dann die verschiedenen Punkte diskutiert werden, ist es unheimlich schwer zu folgen."

Salacakaus Kinder sind um die 30 Jahre alt und wollen genau wissen, was in Durban eigentlich passiert. "Sie verstehen nicht, warum das hier alles so lange dauert", sagt der Vater. "Ich versuche es ihnen zu erklären, aber das ist überhaupt nicht leicht."

Eben noch saß Salacakau mit zwei seiner Kollegen bei einem schnellen Kaffee zusammen und hat die letzte Sitzung besprochen. "Unsere Delegation hat 17 Mitglieder, das ist viel zu wenig, um alles zu verfolgen, was verhandelt wird", gibt er zu. Man könne nicht einmal in jeder Sitzung dabei sein. Aber dadurch, dass man mit anderen Staaten in der AOSIS-Ländergruppe zusammengeschlossen sei, würde es gehen. "Wir überlegen uns natürlich gut, in welche Arbeitsgruppen wir reingehen. Die Reduktionsverpflichtungen der Industriestaaten sind für uns am wichtigsten." Nur das könne garantieren, dass die Insel überleben könnten.


Lauter Inseln: Rotuma ist die nördlichste von Fidschi. (Foto: NASA)

"Es sieht nicht gut aus für unser Anliegen", beklagt sich der "High Commissioner" von den Fidschi-Inseln allerdings. Alles würde im Moment danach aussehen, als ob sich die Industriestaaten am liebsten nur noch mit dem Thema Anpassung, aber kaum noch mit dem Thema Treibhausgasreduktion beschäftigen wollten. "Deren Wirtschaft soll weitermachen wie bisher, und dann wollen sie eben ein bisschen was zahlen", erhebt er ärgerlich die Stimme.

Reduktion ist aber das einzige, was Salacakaus Dorf noch retten könnte. "Ich komme aus Vunisarisari. Meine zwei Brüder leben noch dort, aber in ein paar Jahren werden sie mit dem gesamten Dorf umziehen müssen, weil der Meeresspiegel steigt. Mein Dorf wird bald verschwunden sein." Der Ort hat rund 60 Einwohner. Das Nachbardorf, etwas näher am Meer gelegen, ist gerade dabei, sich auf die Umsiedlung vorzubereiten.

Enttäuscht ist Beniamino Salcakau von der Stimmung vor Ort. "Auch hinter den Kulissen halten sich die Delegierten bedeckt, keiner will sich in die Karten gucken lassen", sagt er. "Wir versuchen ihnen mitzuteilen, worum es für uns eigentlich geht: Es geht hier nicht um Brot und Butter. Für uns ist der Klimawandel eine Frage von Leben und Tod. Anpassung heißt für uns, dass wir in ein Boot steigen müssen. Sollen wir in einem Boot leben?"

Aufgezeichnet von Eva Mahnke

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Alle Beiträge zur COP17 in Südafrika auf einen Blick finden Sie in unserem Durban-Dossier

 

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