Danke für den Wüstentrip!

80.000 Euro Jahresverdienst im Durchschnitt, jährlich 44 Tonnen Treibhausgase pro Kopf, Autos, fast so groß wie die Wolkenkratzer, dazu die Wüste und über allem Allah – Katar, der Gastgeber des diesjährigen Weltklimagipfels, ist ein ganz erstaunliches Land. Nebensachen aus Doha (4). Heute: Klimaretter-Kompetenz.

Aus Doha Nick Reimer

Am zweiten Tag des Gipfels gibt Fahad Al-Attiyah, der Chef des katarischen Organisationskomitees, seine erste Pressekonferenz. "Das wird die größte Konferenz, die je in unserem Land abgehalten wurde", frohlockt Al-Attiyah im schicken Qatar National Convention Centre. "Und ich denke, wir sind bestens vorbereitet, um einen Erfolg zu erzielen."

Wirklich? Was ist denn mit der Aussage, dass die Welt wärmer als zwei Grad werden muss? Fahad Al-Attiyah – nicht zu verwechseln, aber verwandt mit dem Konferenzpräsidenten Abdullah Al-Attiyah – stutzt. Was meint der Journalist mit seiner Frage? Al-Attiyah sucht Rat bei seinem Begleiter auf dem Podium. Dann fängt er sich und sagt: "Die Wissenschaft hat uns aufgetragen, die Globaltemperatur unter zwei Grad Anstieg zu halten!"

Aber warum hat dann Katar überall "mehr als zwei Grad auf der Welt" plakatiert?


Mehr als zwei Grad: Die Kataris hatten überall in der Stadt ihre Weltsicht plakatiert. Erst nach Kritik von Konferenzteilnehmern wurden diese Plakate durch die gegenteilige Aussage ersetzt. (Foto: Nick Reimer)

Ein Fehler der Werbeagentur. Vermutlich wäre der in Katar aber keinem aufgefallen. In der Öffentlichkeit ist hier nahezu niemand für das Problem der Erderwärmung sensibilisiert. Und dass es eine große Konferenz der UNO zu einem Menschheitsproblem gibt – nun, es gibt ja so viele Probleme. Schahid aus dem im Südwesten Indiens gelegenen Bundesstaat Kerala zum Beispiel hat Heimweh."Ich bin jetzt seit drei Monaten hier", sagt Schahid . "Bei uns ist alles bunt, hier ist es überall nur wüstengrau."

Fahad Al-Attiyah, der Chef des Klimakonferenz-Organisationskomitees, hat sich nach der Journalistenfrage aber natürlich schlaugemacht. Und den offensichtlichen Fehler korrigiert. Zuerst wurden eiligst die falschen Plakate aus dem Verkehr gezogen, um dann später durch die gegenteilige Aussage ersetzt zu werden. 

Genau hinzuschauen lohnt sich also. "Schickt uns in die Wüste" hatte die Redaktion von klimaretter.info vor der Klimakonferenz gebeten. Mit einer wunderbaren Resonanz: Knapp 3.500 Euro Spenden landeten auf dem Konto des Vereins "Klimawissen". Der hat sich zur Aufgabe gemacht, die unabhängige Arbeit der klimaretter.info-Redaktion zu unterstützen. Spenden über drei, fünf oder 20 Euro gingen ein, sogar ein vierstelliger Betrag war dabei. Und damit der Auftrag an die Redaktion: Schaut genau hin auf der Weltklimakonferenz.

Das hat die Redaktion in die Lage versetzt, in der ersten Woche mit zwei Kollegen, in der zweiten Woche dann zu viert aus Doha zu berichten. Das war zugegebenermaßen selten so leicht wie beim "Zwei-Grad"-Plakat. Aber klimaretter.info konnte seinen Lesern die umfassendste Berichterstattung anbieten, die in einem deutschsprachigen Medium zum Thema zu finden war. In der ersten Woche waren neben den Kollegen vom Radio und von den Nachrichtenagenturen ganze zwei deutsche Journalisten auf dem Verhandlungsparkett unterwegs: Die von klimaretter.info.


Bedanken sich für die Aufmerksamkeit – bei den Lesern und auch beim Heimatteam in der Berliner Redaktion: klimaretter.info-Südostasien-Korrespondent Christian Mihatsch (von rechts nach links), Russland-Korrespondentin Angelina Davydova, Redaktionsleiter Nick Reimer und Meinungsredakteur Joachim Wille. (Foto: Dobrovidova)

Wir möchten Danke sagen, an dieser Stelle. Danke an die Heimatredaktion in Berlin, die unsere Arbeit vor Ort unterstützt hat. Danke an das Interesse, das Sie den Klimaverhandlungen entgegenbringen. Und vor allem Danke an die Spender, die diese Berichterstattung überhaupt erst ermöglicht haben: Wir hoffen, Ihnen Ihre Investition mit gutem Journalismus zurückgezahlt zu haben.

Nur eines ist den Spendern bedauerlicherweise nicht gelungen: Uns tatsächlich in die Wüste zu schicken. Denn der eigentlich für Samstag geplante "Betriebsausflug" fiel den zähen Streitereien auf dem Konferenzparkett zum Opfer.

Nebensachen aus Doha (1): Satans Hass in der Whiskyflasche
Nebensachen aus Doha (2): Klimamarathon mit platten Füßen
Nebensachen aus Doha (3): Fossiler Reichtum mit Nebenwirkungen
 


Alle Beiträge zur COP18 in Katar finden Siein unserem Doha-Dossier

 

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