Neuer Anlauf in Doha

Die Weltklimakonferenz in Doha hat an diesem Samstag um 15 Uhr Ortszeit einen neuen Versuch gestartet, doch noch zu einem Ergebnis zu kommen. "Wir haben aus zwei Tagen einen gemacht, jetzt ist das finale Treffen erreicht", sagte Konferenzpräsident Abdullah bin Hamad Al-Attiyah. Natürlich könne man auch noch zwei oder drei Wochen länger verhandeln, "Sie sind mir mittlerweile ans Herz gewachsen wie Brüder und Schwestern", sagte Katars Außenminister. Allerdings glaube er nicht, dass mehr Verhandlungszeit zum Ergebnis führe: "Was wir brauchen, ist mehr Kompromissbereitschaft."


Samstag, 15 Uhr in Doha. Bläst jetzt zum Finale: Konferenzpräsident Abdullah Al-Attiyah. (Foto: cop18.qa)

Das UN-Klimasekretariat hatte daraufhin angekündigt, in Kürze einen neuen Vertrag zu einer zweiten Handelsperiode des Kyoto-Protokolls vorlegen zu wollen. Australien, die EU, Lichtenstein, die Schweiz, Norwegen, Monaco und auch Japan hatten zuvor in einer "prinzipiellen Deklaration" erklärt, keine Zertifikate aus der ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls in der zweiten nutzen zu wollen – das Problem der sogenannten "heißen Luft". Sie entsprachen damit einer Forderung der südamerikanischen Staaten. Allerdings fehlt zur Stunde noch die Unterschrift von Australien, Deutschland, Österreich, Polen, Estland und einer Handvoll anderer Staaten unter das neue Vertragswerk. Ohne diese könnte keine neue Verhandlungsrunde beginnen. Beschließen muss schließlich das Plenum – und zwar einstimmig und über alle fünf Doha-Verhandlungsstränge gleichzeitig.

Umweltorganisationen haben mittlerweile ihren Kurs geändert und rufen die Verhandler auf, Doha bewusst scheitern zu lassen. "Die jetzt vorliegenden Vertragstexte enthalten keine Zusagen für Entwicklungsländer, riesige Schlupflöcher beim Kyoto-Protokoll und keine Ideen, wie die Staatengemeinschaft zum Abkommen im Jahr 2015 kommen soll", sagt Ann-Kathrin Schneider, Klimaexpertin beim Umweltverband BUND. Deshalb sei es besser, den Doha-Gipfel jetzt scheitern zu lassen. Schneider: "Die vorliegenden Dokumente sind so schwach, dass dem Klimaschutz ein Bärendienst erwiesen würde. So dürfen sie auf keinen Fall beschlossen werden."

klimaretter.info/reni


Alle Beiträge zur COP18 in Katar finden Sie in unserem Doha-Dossier

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