Flugindustrie will Emissionshandel

Mehrere internationale Airlines haben in Bonn ihren Vorschlag für die Einbindung der Flugindustrie in ein zukünftiges Klimaschutzabkommen vorgestellt. Das Hintergrundpapier, das gestern am Rande der UN-Klimaverhandlungen in Bonn veröffentlicht wurde, schlägt vor, die Flugindustrie wie einen einzelnen Staat zu behandeln und ihr Reduktionsziele aufzuerlegen. Der Flugverkehr, der im Kyoto-Protokoll nicht berücksichtig wird, ist weltweit für etwa 730 Millionen Tonnen Kohlendioxidemissionen verantwortlich, seit 1990 sind diese um über 45 Prozent gestiegen.

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Die Aviation Global Deal Group (AGD Group), in der sich mehrere Fluggesellschaften zusammengetan haben, schlägt in ihrem Papier eine Reduktion der Emissionen im Flugverkehr mit Hilfe eines globalen Zertifikatehandels vor. Gewinne aus möglichen Versteigerungen innerhalb dieses Marktes könnten nach dem Vorschlag der AGD Group zur Finanzierung von Klimaschutzprojekten genutzt werden. Die vorgestellten Szenarios zur Emissionsreduktion im Flugverkehr liegen im Bereich von 0 bis 20 Prozent bis zum Jahr 2020, allerdings bezogen auf die Emissionen im Jahr 2005.

Die Studie weist weiter darauf hin, dass im globalen Wettbewerb unter den Fluggesellschaften ein fairer Wettbewerb möglich sein müsse, daher sei ein globales sektorales Abkommen anstelle von regionalen Vereinbarungen zu bevorzugen. In der EU wird ab dem Jahr 2012 der Flugverkehr in den Emissionshandel einbezogen. Die Flugindustrie befürchtet daher eine wirtschaftliche Benachteiligung der europäischen Airlines, da in anderen Regionen andere oder gar keine Begrenzungen für den Flugverkehr gelten.

Mark Kenber, Direktor der AGD Group, hält die Studie für eine „Lösung für die Umwelt, die Flugindustrie und die internationalen Klimaverhandlungen". Kritiker dagegen monierten bei der Vorstellung des Papiers die unzureichenden Reduktionsvorschläge. Laut der Umweltorganisation „European Federation of Transport and Environment" müssten die Emissionen im Flug- und Schiffsverkehr bis 2020 um mindestens 40 Prozent gegenüber 1990 reduziert werden. Auch die Begrenzung auf Kohlendioxid als Treibhausgas wird kritisiert. Ausgeklammert werden in dem Papier andere Treibhausgase, wie beispielsweise Stickoxide, die unter anderem im Verkehrssektor entstehen. Die Delegierten der UN-Konferenz diskutieren derzeit über die Rahmenbedingungen für ein zukünftiges Klimaschutzabkommen. Eine Einbindung des Flugverkehrs wird dabei insbesondere von Umweltorganisationen immer wieder gefordert, ob es dazu aber tatsächlich kommen wird, ist unklar.

Das Hintergrundpapier der AGD Group finden Sie hier.

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