Kopenhagen: Save the date(s)

bonn5-me.jpg

Der Weg nach Kopenhagen: Bis zur Weltklimakonferenz im Dezember in Dänemark sind es noch genau sechs Monate. Nach der Klimakonferenz in Bonn sind noch drei weitere Sitzungen in Bonn, Bangkok und Barcelona vorgesehen. Zusätzlich tagen aber auch zahlreiche andere Gremien, die auf den Gipfel in Kopenhagen entscheidenden Einfluss haben werden.

Ein Überblick über die wichtigsten Daten:

22. bis  23. Juni in Mexiko: Major Economies Forum
Die 16 wirtschaftlich bedeutendsten Staaten der Erde treffen sich auf Einladung von US-Präsident Obama. In diesem Forum könnten sich die Industriestaaten untereinander auf eine gemeinsame Klimapolitik einigen.

8. bis 10. Juli in Italien: G8-Gipfel
Die Staats- und Regierungschefs der 8 größten Wirtschaftsnationen setzen bei ihrem Gipfel in Italien auch das Thema Klimaschutz auf ihre Agenda.

11. Juli in Italien: Major Economies Forum - Treffen der Staats- und Regierungschefs
Beobachter erwarten auf dem Treffen der höchsten Repräsentanten der MEM-Länder Ansagen von US-Präsident Obama, wie die festgefahrenen UN-Klimaverhandlungen wieder in Gang gebracht werden können.

10. bis 14. August Deutschland: UNFCCC-Verhandlungen
Bei dem informellen Treffen der Arbeitsgruppen AWG-LCA und AWG-KP in Bonn sollen "die Ärmel hochgekrempelt" werden und mit der dritten Lesung des vorläufigen Kopenhagen-Texts in einen "echten Verhandlungsmodus" geschaltet werden

22. bis 23. September USA: UN-Generalversammlung
Generalsekretär Ban Ki-moon hat angekündigt, dass sich während der Vollversammlung der Vereinten Nationen auch die Staats- und Regierungschefs zu einer zusätzlichen Sitzung zum Thema Klimapolitik treffen sollen. Die Reden dort werden erste Hinweise auf die Positionen der einzelnen Staaten in Kopenhagen geben.

24. bis 25. September USA: G20-Treffen der Staats- und Regierungschefs
Hier soll über Wege aus der Finanz- und Wirtschaftskrise beraten werden. Vermutlich wird dasThema Klimaschutz und ein "Green New Deal" diskutiert werden.

28.September bis 9. Oktober Bangkok: UNFCCC-Verhandlungen
Das vorletzte Treffen der Klimarahmenkonvention soll Klarheit über das Grundgerüst des Kopenhagener Abkommen schaffen.

2. bis 6. November Barcelona, Spanien: UNFCCC-Verhandlungen
Letzte UN-Klimakonferenz vor Kopenhagen. Spätestens hier muss Einigung über den juristischen Rahmen des neuen Abkommens erzielt werden.

7. bis 18. Dezember Dänemark: UNFCCC COP15 in Kopenhagen
Die Delegationen und später auch Minister, Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen treffen sich zur 15. Konferenz der Parteien (COP15) der Klimarahmenkonvention in Kopenhagen: Hier soll die Entscheidung über ein neues Klimaabkommen getroffen werden.

 

Und das sind die wichtigsten Punkte, die - wenn es nach Klimasekretariatschef Yvo de Boer geht - vor Kopenhagen geklärt werden müssen:  

1. Die Finanzierung von Anpassung und Klimaschutz in Entwicklungsländern wird mehr und mehr zum Schlüsselelement eines erfolgreichen Klimagipfels in Kopenhagen. 

Derzeit werden in den Verhandlungen vor allem zwei konkrete Vorschläge für einen Finanzierungsmechanismus diskutiert:

Der norwegische Vorschlag sieht vor, Mittel für Anpassungs- und Klimaschutzmaßnahmen über einen globalen Emissionshandel zu beschaffen. Die Kohlendioxid-Zertifikate sollen dabei zumindest zum Teil versteigert werden.

Der Vorschlag Mexikos beruht auf einem multinationalen Fonds. Es sollen Gelder aus den einzelnen Staatshaushalten aufgebracht werden, die dann über diesen Fonds verteilt werden sollen. Die mexikanische Delegation hatte während der Verhandlungen in Bonn auch Gesprächsbereitschaft zu einem Kompromiss zwischen dem eigenen und dem norwegischen Vorschlag gezeigt.

2. Knackpunkt bei der Finanzierungsdebatte ist nicht nur der Umfang der Unterstützung, sondern auch die faire Verwaltung der Gelder: Während etwa die USA argumentieren, der Aufbau neuer Strukturen würde zu viel Zeit kosten und auf die Weltbank verweisen, fordern Entwicklungsländer neue Institutionen.

3. Von der finanziellen Unterstützung durch die reichen Länder hängt die Beteiligung der Schwellenländer mit eigenen Verpflichtungen zur Kohlendioxid-Begrenzung ab, die die Reduktionsziele der Industrienationen ergänzen müssen: China und Indien fordern etwa von den Industrienationen eine Emissionsreduktion von 40 Prozent gegenüber 1990. Und sind prizipiell dazu bereit ihr Emissionswachstum gegenüber einem business-as-usual-szenario deutlich zu senken - wenn es ein konkretes und umfassendes Finanzierungskonzept für Anpassung und Klimaschutz von Seiten der Industrieländer gibt. 

4. Derzeit liegt das Gesamtreduktionsziel der Industrieländer bis 2020 nach Angaben des Klimasekretariats selbst bei optimistischer Rechnung bei lediglich 24 Prozent im Vergleich zu 1990. Das liegt teils daran, dass viele Länder noch keine Zahlen auf den Tisch gebracht haben (die USA oder Russland sind hier zum Beispiel noch nicht mit einberechnet) und teils daran, dass die vorgebrachten Zahlen schlichtweg nicht ambitioniert genug sind. Um die Erwärmung der globalen Durchschnittstemperatur auf maximal zwei Grad zu begrenzen sind nach dem letzten Sachstandsbericht des Weltklimarats 25 bis 40 Prozent gegenüber 1990 bis 2020 nötig. 

  zusammengetragen von:
LUISE NEUMANN-COSEL und SARAH MESSINA 

 

Zurück zum Dossier: Weltklimakonferenz in Bonn     

 

 

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen