Afrika boykottiert Klimaverhandlungen

Äthiopien, Algerien, Gambia und rund 40 weitere afrikanische Staaten haben am Dienstag die UN-Verhandlungen in Barcelona boykottiert. Sie werfen den Ländern des Nordens Verzögerungstaktiken vor und verlangen ambitioniertere Kohlendioxid-Reduktionsziele.

Europa und  Länder wie Japan oder Kanada würden die Fortschritte des Verhandlungsgruppe der Kyoto-Unterzeichner bewußt verzögern, so der Vorwurf. "Afrika glaubt, dass die anderen Verhandlungsgruppen die Klimagespräche nicht ernst genug nehmen", so Kabeya Tshikuku von der Delegation Kongos gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

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Die Folgen des Klimawandels in Uganda: Trockenheit macht die Bewirtschaftung der Böden immer schwerer. (Foto: Oxfam) 

Zahlreiche diplomatische Treffen auf der Klimakonferenz wurden im Zuge Protests der Afrikaner bereits am Montag abgesagt. 

Der Boykott der Verhandlungen war bereits im Vorfeld der Konferenz in Barcelona vom Leiter der afrikanischen Delegation Meles Zenawi angedroht worden, "sollte sich abzeichnen, dass sie zu einer weiteren Vergewaltigung des Kontinents führen werde". Die afrikanischen Staaten sind von den Folgen der Erderwärmung besonders stark betroffen: Nach einer Schätzung der Weltbank müssen sie etwa 80 Prozent der Konsequenzen des Klimawandels schultern - ohne die Verursacher zu sein.

Die afrikanischen Staaten fordern von den Industrieländern bis 2020 eine Treibhausreduktion von mindestens 40 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. Auch in Sachen Finanzhilfen für Klimaschutz und Anpassung dürften die Boykottierer nicht zufrieden sein: Die Umwelt- und Agrarminister der Afrikanischen Union hatten bereits im August   67 Milliarden Dollar jährlich allein zur Anpassung an den Klimawandel gefordert. Bislang ist von den Ländern des Nordens jedoch lediglich der Finanzbedarf an sich anerkannt worden, nicht aber wieviel Geld gegeben werden soll.

China: Festhalten am Kyoto-Protokoll

Ein weiteres Ärgernis für die afrikanischen Staaten ist die Debatte, ob ein Kopenhagen-Abkommen unabhängig oder aufbauend auf dem Kyoto-Protokoll beschlossen werden soll. Unter dem Kyoto-Protokoll haben sich Industrieländer zur Verringerung ihrer Emissionen verpflichtet. Schwellenländer verpflichten sich im Kyoto-Protokoll  zwar zu stärkeren Anstrengungen beim Klimaschutz, nicht jedoch zu bindenden Reduktionszielen. 

Auf ein Festhalten am Kyoto-Protokoll besteht auch der weltgrößte Kohlendioxid-Verschmutzer China: Peking werde keiner neuen Vereinbarung zustimmen, die diese Unterscheidung aufhebe, gibt Reuters Ministerpräsidenten Wen Jiabao wieder. 

 

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