"Gabriel hat den Amis gezeigt, was ne Harke ist"

bttGrünen-Chef Reinhard Bütikofer war als Beobachter beim Klimagipfel auf Bali dabei. Und lobt den Bundesumweltminister.

Herr Bütikofer, Sie waren das erste Mal als Beobachter der deutschen Delegation bei einer Klimakonferenz. Was sagen Sie zur Diskussionskultur?

Reinhard Bütikofer: Eine Diskussionskultur war nicht zu erkennen. Im Plenum wurden vor allem ermüdende Reden abgehalten, die alle dasselbe sagen: Die Ergebnisse der Wissenschaft sind dramatisch, wir müssen handeln.

Wenn Sie die Klimakonferenz mit einem Grünen-Parteitag vergleichen: Was ist anders?

Hier geht es manierlicher und gesitteter zu als bei uns. Der Hauptunterschied ist aber: Auf der Klimakonferenz findet das Wichtigste nicht im Plenum statt. Auf unseren Parteitagen schon.

Was hat Sie in den Debatten am meisten erstaunt?

Hier wurde fast durchgehend von den Belastungen durch Klimaschutz geredet, von Reduktionsverpflichtungen, Schuld des Nordens, wirtschaftlichen Risiken. Von den Chancen, die Klimaschutz bieten kann, ist so gut wie nie die Rede gewesen.

Aber das kennen wir Grünen: Als wir vor zehn Jahren die wirtschaftlichen Chancen priesen, die etwa erneuerbare Energien oder Energieeffizienz bieten, waren wir in Deutschland genauso in der Minderheit, wie hier auf der Konferenz die EU es war.

Sigmar Gabriel ist von der EU in den engeren Kreis der Verhandler berufen worden. Wie beurteilen Sie seine Arbeit?

Erstens hat er im Plenum eine wirklich gute Rede gehalten. Zweitens hat Gabriel es offenbar darauf angelegt, den Amis zu zeigen, was eine Harke ist: In einer Veranstaltung hat er sich über den Präsidenten George W. Bush lustig gemacht. Und dann hat er die Drohung inszeniert, im Januar nicht zu den Klimaverhandlungen nach Honululu zu fahren, zu denen die Amerikaner eingeladen haben. Möglicherweise hat das ja Druck erzeugt, der die USA zum Einlenken brachte.

Aber mein Blick ist einer von außen: Welchen Job Gabriel in den Unterhändlergruppen leistet, habe ich nicht mitbekommen, weil ich da keinen Zutritt hatte. Von den NGOs jedenfalls wurde er gelobt.

Interview: Nick Reimer

[Erklärung]  
Anzeige
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen