Future Box mit Schokolade

Das Porträt: Einer von 10.000

In einer Serie stellt klimaretter.info Akteure der Weltklimakonferenz vor. Heute: Kjell Kühne (34) ist von Leipzig aus in die weite Welt gestartet. Für die Initiative Plant-for-the-Planet schult er Klimabotschafter, aber sein Herzensprojekt ist die Leave it in the Ground Coalition, die fossile Brennstoffe im Boden lassen will.

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Am Anfang stand ein Buch. Kjell Kühne war elf Jahre alt, fand Wale und Gorillas cool. Da schenkte ihm sein Onkel ein Buch über den Regenwald. "Ich fand es schlimm, dass er zerstört wird, und dachte, da muss man was machen." Von Leipzig in den Harz umgezogen, entdeckte Kjell Kühne die heimische Vogelwelt und wurde Mitglied in der Gesellschaft der Odonatologen – der Libellenkundler. "Ich war in einem Naturschutzfilm", sagt Kjell Kühne heute.

Ein Austauschjahr als Schüler führte ihn konsequenterweise in den Regenwald von Indonesien. Kjell Kühne bekam Kontakt mit der indigenen Bevölkerung, sein bester Freund war Belgier. Da merkte er: "Eigentlich sind die Menschen auch sehr interessant." Und: "Es ist ungerecht, dass es uns so gut geht und den anderen so schlecht."

Seitdem ist Kjell Kühne einen weiten Weg gegangen. Beeindruckend lang ist die Liste seiner Studienfächer: Psychologie, Ethnologie, Pädagogik, parallel dazu ein zweiter Abschluss in Anthropologie und Sinologie. Noch länger ist die Liste der Sprachen, die er spricht: Englisch, Spanisch, Chinesisch, Portugiesisch, Französisch, Indonesisch und das afrikanische Lingala.

Ein Überflieger? Wie er im Kapuzenpulli bei der Klimakonferenz in Warschau steht und Schokolade verteilt, würde man Kjell Kühne eher für einen Studenten halten. Die Aktion mit der klimaneutralen Schokolade ist Teil der Arbeit von Plant-for-the Planet, Kühnes Arbeitgeber. Kakaobäume gehören zu der einen Million Bäume, die in jedem Land der Welt gepflanzt werden, wenn der Initiator von Plant-for-the Planet, der Schüler Felix Finkbeiner, sein Ziel erreicht.

Plant-for-the Planet hat seine Fäden weltweit gesponnen und ist in 194 Ländern aktiv. Kjell Kühne ist Teil des Netzwerks. Von seiner jetzigen Heimat Mexiko aus – hier lernte er seine Frau kennen und blieb – leitet der Deutsche die Schulung junger Klimabotschafter. Meist über das Internet: "Interkontinentalflüge mache ich wegen der Emissionen nur noch, wenn meine Anwesenheit im Land wirklich nötig ist", sagt er.

Daneben entwickelt Kjell Kühne eigene Projekte. Vor der Weltklimakonferenz in Durban 2011 fragte er sich: "Wo ist der Hebel, um wirklich etwas zu verändern?" Der Hebel war der Nachschub von Kohle und Öl in das System der Energieerzeugung. Die Schlussfolgerung: Ein großer Teil der Reserven muss in der Erde bleiben. Heute gehört dieser Gedanke schon fast zum zum Mainstream und die Leave it in the Ground Coalition ist selbst ein kleines Netzwerk geworden.

Kjell Kühne ist inzwischen schon wieder weiter. In Warschau stellt er seine neueste Idee vor: die Future Box. Physisch ist es kleiner Pappkarton, in dem die Tafeln der Change-Schokolade verpackt waren. Ideell ist es ein Abgabesystem: Für jeden Euro, den er für Benzin oder Flüge ausgibt, steckt Kühne einen Euro in die Future Box.

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Kjell Kühne in der Eingangshalle zur Klimakonferenz mit der Future Box. Das Bild darauf stammt von der Initiative Oilwatch. Slogan: "Keep the oil in the soil and the coal in the hole" – Lasst Öl und Kohle in der Erde. (Foto: Susanne Ehlerding)

"Ich wünsche mir, dass alle Menschen in den Industrieländern in so eine Box einzahlen", sagt Kjell Kühne. Die Hälfte des Geldes sollte für die Opfer des Klimawandels ausgegeben werden, die andere Hälfte für die Umgestaltung der Energieversorgung. Zu Hause wächst bei Kjell Kühne der nächste Klimabotschafter heran. Sein Sohn Galileo hat schon mit fünf Jahren einen Vortrag über Klimawandel gehalten. In China.

BildAufgezeichnet von Susanne Ehlerding

Einige von 10.000 – Porträts vom Klimagipfel in Warschau 
Raju Pandit Chhetri, 32, Delegierter aus Nepal
Dipti Bhatnagar, 23, Umweltschützerin aus Mosambik
Jayanthi Natarajan, 59, Indiens Umweltministerin
Maria Theresa Nera-Lauron, 45, philippinische Delegierte
Vitumbiko Chinoko, 37, Agrarexperte aus Malawi
Kjell Kühne, 34, Aktivist aus Mexiko
Marcin Korolec (44), polnischer Klimagipfel-Präsident

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Alle Beiträge zur COP 19 in Polen
finden Sie in unserem Warschau-Dossier

 

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